Gärung
Klicken Sie im Menü Datei auf Drucken, um die Informationen zu drucken.
Gärung
3. Bedeutung der Gärung für den Menschen

Im menschlichen Darm leben verschiedene Bakterienarten, die zu den Enterobacteriaceae gehören und in ihrer Gesamtheit als Darmflora bezeichnet werden. Diese Bakterien gewinnen im anaeroben Medium des Darms Energie, indem sie unverdaute Kohlenhydrate vergären. Normalerweise hält die Darmflora durch ihre Gärtätigkeit den Darm gesund. Gerät sie aus dem Gleichgewicht, entstehen in größeren Mengen Gase (z. B. Schwefelwasserstoff und Kohlendioxid) oder schädliche Gärungsprodukte. Dies kann zu schmerzhaften Blähungen, Durchfall oder Darmerkrankungen führen. Auch im Mund- und äußeren Genitalbereich des Menschen leben gärende Bakterien, die bei Störungen Beschwerden oder Krankheiten auslösen können.

Mikrobielle Gärungsprozesse werden – oft schon seit prähistorischer Zeit – zur Herstellung und Konservierung von Lebensmitteln genutzt, z. B. Milchprodukte wie Käse, Kefir, Kumys, Joghurt und Quark, Essig, alkoholische Getränke wie Wein oder Brot aus Sauerteig. In der Viehzucht wird nahrhaftes Futter (Silage) durch kontrollierte Gärung gewonnen. Auch die Tabak- und die Textilindustrie nutzt derartige Fermentationsprozesse. In der Chemieindustrie werden Aceton, Butanol und Glycerin in großem Maßstab durch biotechnologische Gärung mit Hilfe von Mikroorganismen gewonnen. Der Erforschung dieser Gärungsprozesse widmet sich die Zymologie.

Bei der Abwasserbehandlung tragen Methan bildende Bakterien mit ihren Gärungsreaktionen zur Reinigung des Klärschlammes bei. Vergärung durch Mikroorganismen spielt auch bei der Abfallentsorgung und bei der Sanierung von Böden und Grundwasser eine große Rolle. Das bei der Gärung in Mülldeponien entstehende Deponiegas wird zur Energiegewinnung genutzt, ebenso Biogas, das bei der Vergärung von Biomasse frei wird.

Siehe auch Bioreaktor