Fasern
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2. Tierische Fasern

Chemisch bestehen alle tierischen Fasern aus komplexen Proteinen. Sie sind gegen die meisten organischen Säuren und unter bestimmten Umständen gegen starke mineralische Säuren wie Schwefelsäure (H2SO4) beständig. Sie können aber schon von schwachen Alkalien angegriffen und von starken Alkalien wie Natriumhydroxid (NaOH) vollständig aufgelöst werden. Diese Fasern werden auch von Bleichmitteln auf Chlorbasis beschädigt. Flüssige, hypochlorierte Bleichmittel sollten nie für Wolle oder Seide verwendet werden. Wenn solche Mittel unverdünnt angewendet werden, beschädigen sie die Fasern oder lösen sie sogar ganz auf.

Der Hauptbestandteil von Seide ist das Protein Fibroin. Seide wird in zusammenhängenden Fäden aus Hinterleibsdrüsen verschiedener Insekten und Spinnen ausgeschieden. Es ist das einzige natürliche Filament, das regelmäßig eine Länge von mehr als 1 000 Metern erreichen kann. Für die Herstellung von Fadengarnen werden mehrere Seidenfäden zusammengefasst. Bei Seide werden jedoch häufig kurze Fäden verwendet, um Spinngarne herzustellen. Echte Seide, wie sie für Textilien verwendet wird, produziert nur ein einziges Insekt, der Seidenspinner (ein Schmetterling).

Der Hauptbestandteil von Haar, Wolle und Pelz, den schützenden Haaren von Säugetieren, ist das Protein Keratin. Haar- und Wollfasern sind kurz und müssen zu Zwirnen oder Garnen gesponnen werden, will man sie zu Textilien weben oder stricken. Eine andere Möglichkeit ist die Verarbeitung zu Filz.

Die für die Herstellung von Textilien am häufigsten verwendete Haarfaser ist Schafwolle. Einzelne Haare können bis zu 90 Zentimeter lang sein, messen aber meist weniger als 40 Zentimeter. Bei Wildschafen bildet das Wollhaar eine kurze, weiche untere Schicht, die von längeren, raueren Haaren geschützt wird. Bei Hausschafen, die für die Wollgewinnung gezüchtet werden, ist die Wolle erheblich länger. Alle Haarfasern besitzen eine äußere Schicht aus überlappenden Schuppen. Die Größe und Form dieser Schuppen ist bei jeder Art anders. Bei vielen Arten von Schafwolle sind diese Schuppen stark ausgeprägt. Wollfasern, die nicht glatt, sondern von Natur aus gekräuselt sind, liefern Garne, die viel Luft umschließen und daher gut isolieren.

Andere Tiere, deren Haare für Textilien verwendet werden, sind Lamas, Alpakas, Vikunjas, Angora- und Kaschmirziegen, Angorakaninchen und Kamele. Das aus den Anden stammende Vikunja wird heute wegen Überjagung als gefährdete Art eingestuft. Pelzfasern von Tieren wie Mink und Biber werden manchmal mit anderen Haaren gemischt und zu luxuriösen Garnen versponnen, häufiger werden jedoch ihre Pelze verarbeitet. Pferde- und Rinderhaare werden für die Herstellung von Filz verwendet, aber auch zu Garnen versponnen, die in Polstereien und bei anderen Anwendungen zum Einsatz kommen, wo Haltbarkeit eine große Rolle spielt. Sogar menschliches Haar wird zu Garnen gesponnen und zu Textilien verarbeitet.