| Jainismus | Artikelansicht | ||||
| Klicken Sie im Menü Datei auf Drucken, um die Informationen zu drucken. | |||||
| 3. | Abweichungen von der Lehre |
Diese Grundsätze sind allgemein anerkannt. Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. kam es jedoch zu einer Spaltung über die Frage der religiösen Pflichten der Mönchsorden (ihre Mitglieder werden Jatis genannt) und der Laienbekenner (Srawakas). Die Jatis müssen die fünf großen Eide (Pankamahawrata) ablegen. Diese betreffen die Gewaltlosigkeit gegenüber allen Wesen (Ahimsa), die Wahrheitsliebe (Satja), die Enthaltung von Diebstahl (Asteja), von Sexualität (Brahmakarja) und von unnötigem Besitz (Aparigraha). Die Lehre von der Gewaltlosigkeit wird von den Jainas streng befolgt. So z. B. tragen die Jati der Schwetambara-Gemeinschaften ein Tuch vor dem Mund, um keine Insekten zu verschlucken, und haben immer eine Bürste zur Säuberung ihres Sitzplatzes dabei, um nicht unbeabsichtigt Tiere zu töten oder ihnen Leid zuzufügen. Die Beachtung des Prinzips der Gewaltlosigkeit, wie es von den Jatis praktiziert wurde, hatte einen bedeutenden Einfluss auf die Philosophie von Mohandas Gandhi, dem Führer der indischen nationalen Bewegung. Die Laienanhänger, die Srawakas, müssen zusätzlich zu der Beachtung ihrer religiösen und moralischen Pflichten auch die Heiligen sowie ihre frömmeren Brüder, die Jatis, verehren.
Von beiden Hauptzweigen des Jainismus, den Digambaras („Luftgekleidete”), die auf Kleidung verzichten, und den Schwetambaras („Weißgekleidete”), die nur weißes Tuch tragen, ist ein umfangreiches weltliches und religiöses Werk in Prakrit und Sanskrit überliefert. Die mit kunstvollen Steinarbeiten verzierten Höhlentempel sowie die illustrierten Manuskripte sind von der buddhistischen Kunst beeinflusst. Die Digambaras leben meist als Einsiedler. Ihrer Lehre entsprechend sind Frauen nicht erlösungsfähig, können das Nirwana nicht erlangen.
Einige der Gemeinschaften der Schwetambaras, insbesondere jene der Dhundia und der Lunka, die die Bilderverehrung ablehnten, zerstörten im 12. Jahrhundert viele bedeutende Kunstwerke, während etliche nordindische Tempel den Plünderungen der Muslime zum Opfer fielen. Im 18. Jahrhundert wurde eine neue wichtige Richtung des Jainismus begründet. Der von ihr vertretene Bildersturm und die Ablehnung des Tempelgottesdienstes weisen auf einen islamischen Einfluss hin. Komplizierte Rituale wurden zugunsten einfacherer Rituale an kargen Plätzen aufgegeben, die Sthanakas genannt wurden, und der neuen Religionsgemeinschaft ihren Namen, Sthanakawasi, verliehen.