Willy Brandt
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Willy Brandt
3. Regierender Bürgermeister von Berlin

Nach dem Tod von Otto Suhr wurde Brandt am 3. Oktober 1957 zum Regierenden Bürgermeister von Berlin gewählt, 1958 auch zum Vorsitzenden der Berliner SPD und in den Vorstand der Bundes-SPD. Konfrontiert mit dem sowjetischen Berlin-Ultimatum 1958 und dem Mauerbau 1961, leistete Brandt als Regierender Bürgermeister der sowjetischen Repressionspolitik energischen Widerstand und setzte sich auf der internationalen politischen Bühne nachdrücklich für die Freiheit Westberlins ein. Aus der Erfahrung mangelnder politischer und moralischer Unterstützung seitens der drei westlichen Alliierten während des Mauerbaus entwickelten Brandt und sein enger Vertrauter Egon Bahr ein neues deutschland- und ostpolitisches Konzept, das sich unter den Schlagworten „Politik der kleinen Schritte” (Brandt) und „Wandel durch Annäherung” (Bahr) subsumieren ließ. Für die politische Praxis bedeutete dies: Westdeutschland musste sich bemühen, in Verhandlungen mit den osteuropäischen Nachbarstaaten und der Sowjetunion ein Klima der Entspannung zu schaffen, die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Westberlin auf der einen und der DDR auf der anderen Seite nach und nach zu verbessern sowie Erleichterungen für die Bevölkerung im deutsch-deutschen Verkehr zu erreichen, und zwar aus eigener Anstrengung und auf eigene Initiative, ohne auf ein Engagement der drei Westalliierten zu bauen. Voraussetzung dieses neuen Konzepts war die Bereitschaft, die Folgen von Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg, d. h. die bestehenden politischen Grenzen, anzuerkennen. Einen ersten Erfolg in seinen Bemühungen, durch eine neue Ostpolitik zur Entspannung im Ost-West-Konflikt beizutragen, erzielte Brandt 1963 mit dem Passierscheinabkommen zwischen Westberlin und der DDR.

1959 verabschiedete die SPD ihr neues Grundsatzprogramm, das Godesberger Programm, das maßgeblich von den reformorientierten Kräften innerhalb der Partei, zu denen auch Brandt gehörte, geprägt worden war. 1964 wurde Brandt nach dem Tod von Erich Ollenhauer zu dessen Nachfolger im Parteivorsitz gewählt. 1961 und 1965 ging die SPD mit Brandt als ihrem Kanzlerkandidaten in die Bundestagswahlen, erreichte beide Male große Zugewinne, musste aber weiterhin in der Opposition bleiben. Erst nach dem Scheitern der CDU/CSU/FDP-Koalition kam die SPD im Rahmen einer großen Koalition mit der CDU/CSU im Dezember 1966 in die Regierungsverantwortung; Brandt wurde Außenminister und Vizekanzler unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger.