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Wilhelm der Eroberer
1. Einleitung

Wilhelm der Eroberer (um 1027 bis 1087), erster normannischer König von England (1066-1087)

Wilhelm wurde als illegitimer Sohn Herzog Roberts I. von der Normandie in Falaise (Normandie) geboren und wegen seiner Herkunft auch „Wilhelm der Bastard” genannt. Nach Roberts Tod 1035 akzeptierten die normannischen Adeligen – wie sie es Robert versprochen hatten – Wilhelm als dessen Nachfolger. Fast unmittelbar nach seinem Herrschaftsantritt brach eine Rebellion gegen den jungen Herzog aus; erst 1047, als er mit der Hilfe König Heinrichs I. von Frankreich die Aufständischen besiegte, konnte Wilhelm seine Position festigen.

Während eines Besuches 1051 bei seinem kinderlosen Cousin Eduard dem Bekenner, dem König von England, soll ihn dieser zu seinem Nachfolger bestimmt haben. 1053 heiratete Wilhelm Mathilde von Flandern, die Tochter Herzog Balduins V. von Flandern, eines Nachfahren König Alfreds des Großen, und bekräftigte damit seinen Anspruch auf den englischen Thron. Der französische König Heinrich I. betrachtete jedoch die enge Bindung zwischen der Normandie und Flandern mit Misstrauen, und so versuchte er 1054 und nochmals 1058, Wilhelm zu überwinden, jedoch beide Male ohne Erfolg.

2. Die Eroberung Englands

Um 1064 erlitt der mächtige englische Adlige Harold, Earl of Wessex, vor der normannischen Küste Schiffbruch und wurde von Wilhelm gefangen genommen. Als Gegenleistung für seine Freilassung schwor Harold, Wilhelms Ansprüche auf den englischen Thron zu unterstützen. Nach Eduards Tod wählte der Witenagemot (königlicher Rat) jedoch Harold zum König. Um seinen Anspruch auf den Thron zu untermauern, holte sich Wilhelm die Zustimmung Papst Alexanders II. für eine normannische Invasion in England. Der Herzog und seine Truppen landeten am 28. September 1066 in Pevensey. Am 14. Oktober besiegten die Normannen die englischen Truppen in der berühmten Schlacht von Hastings, in der Harold den Tod fand. William zog nach London und ließ sich am Weihnachtstag in der Westminster Abbey zum König von England krönen.

Die Engländer unterwarfen sich dem fremden Herrscher jedoch nicht kampflos. Wilhelm begegnete dem Widerstand, der im Norden und Westen des Landes besonders stark war, mit harten Gegenmaßnahmen. Er ließ weite Teile des Landes verwüsten, vor allem in Yorkshire, wo dänische Truppen auf der Seite der Aufständischen eingegriffen hatten. Bis 1070 war die normannische Eroberung Englands abgeschlossen.

1072 fiel Wilhelm in Schottland ein und zwang den schottischen König Malcolm III. MacDuncan, ihm den Lehenseid zu leisten. In den folgenden Jahren schlug Wilhelm mehrere Erhebungen seiner normannischen Untertanen nieder, so z. B. 1075 die von Ralph de Guader, dem 1. Earl of Norfolk, und Roger Fitzwilliam, dem Earl von Hereford, sowie mehrere Aufstände seines ältesten Sohnes, dem späteren Herzog Robert II., in der Normandie.

3. Errungenschaften

Eine der bedeutendsten Neuerungen unter Wilhelm war die Umgestaltung des Lehens- und des Verwaltungssystems in England. Wilhelm löste die großen Grafschaften auf, die unter seinen angelsächsischen Vorgängern weitgehende Unabhängigkeit genossen hatten, und teilte den konfiszierten englischen Grundbesitz unter seinen normannischen Gefolgsleuten auf. Er übertrug das französische Lehenssystem auf England, und 1086 leisteten ihm alle Gefolgsleute im so genannten „Eid von Salisbury” den Treueid. Damit war ein straffes Lehensverhältnis geschaffen, in dem Lehensbindung an den König grundsätzlich Vorrang hatte vor den Bindungen an andere Lehensherren. Als weitere bedeutende Leistung des neuen Verwaltungs- und Herrschaftssystems Wilhelms gilt das Domesday Book, das er 1086 zur Erfassung des gesamten Grundbesitzes in England anlegen ließ.

Am 9. September 1087, während eines Feldzuges gegen Philipp I. von Frankreich, starb Wilhelm in Rouen; er wurde in der von ihm gestifteten Abtei Saint Stephan bei Caen bestattet. Wilhelms Nachfolge wurde sein jüngerer Sohn Wilhelm II.