Krimkrieg
Klicken Sie im Menü Datei auf Drucken, um die Informationen zu drucken.
Krimkrieg
4. Der Krieg

Am 30. November 1853 zerstörten die Russen die türkische Flotte im Schwarzmeerhafen Sinop. Am 3. Januar 1854 lief eine britisch-französische Flotte zum Schutz der osmanischen Küsten im Schwarzen Meer ein, und am 27. Februar forderten Großbritannien und Frankreich Russland ultimativ auf, sich aus den Donaufürstentümern zurückzuziehen. Russland ignorierte das Ultimatum; daraufhin schlossen Großbritannien und Frankreich Bündnisse mit dem Osmanischen Reich und erklärten Russland am 28. März 1854 den Krieg. Sie gingen davon aus, dass ihre Überlegenheit zur See einen schnellen Sieg herbeiführen würde. Am 3. Juni drohte schließlich auch Österreich mit einer Kriegserklärung, falls sich Russland nicht aus Moldawien und der Walachei zurückziehe. Russland willigte ein und räumte die Fürstentümer am 8. August, die wenig später von österreichischen Truppen besetzt wurden.

Am 14. September 1854 landeten die alliierten Truppen auf der Krim und belagerten ab Oktober 1854 Sewastopol, den Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte. Trotz rascher Siege der Alliierten etwa in der Schlacht von Balaklawa zog sich der Krieg in die Länge, da die Russen die Friedensbedingungen der Alliierten nicht akzeptierten. Am 9. September 1855 gaben die Russen schließlich Sewastopol auf, willigten jedoch erst in einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen ein, nachdem Österreich seine Kriegsdrohung wiederholt hatte.

Obwohl es nicht unmittelbar in den Krieg eingriff, trug Österreich doch zum Sieg der Alliierten bei, und zwar dadurch, dass es als Verbündeter der Alliierten und somit potentieller Gegner Russlands an der österreichisch-russischen bzw. moldawisch-russischen Grenze russische Kräfte band. Am 26. Januar 1855 schaltete sich auch Sardinien auf der Seite der Alliierten in den Krieg ein – hauptsächlich um sich die Unterstützung Frankreichs und auch Großbritanniens gegen Österreich in Norditalien zu sichern (siehe Italienischer Krieg).

Der Friede von Paris, der am 30. März 1856 unterzeichnet wurde, bedeutete für Russland und seine Balkanpolitik einen herben Rückschlag. Russland musste auf die Donaufürstentümer verzichten sowie auf die Schutzherrschaft über die orthodoxen Christen im Osmanischen Reich. Außerdem musste es das südliche Bessarabien und die Donaumündung an Moldawien abtreten, und es musste in die Entmilitarisierung des Schwarzen Meeres einwilligen.

Im Krimkrieg forderten nicht nur die Kampfhandlung unzählige Menschenleben. Die medizinische Versorgung war äußerst schlecht. Die britische Krankenschwester Florence Nightingale initiierte die Errichtung zahlreicher Krankenhäuser und Lazarette; dennoch starben mehr Soldaten an Krankheiten als an den Folgen der militärischen Auseinandersetzung. Nachdem die ersten Augenzeugenberichte aus dem Krieg in der englischen Zeitung The Times erschienen waren, wandte sich die öffentliche Meinung in Großbritannien zunehmend gegen den Krimkrieg sowie gegen den Premierminister Hamilton-Gordon, der im Januar 1855 zurücktreten musste. Diese Augenzeugenberichte hatte der irische Reporter W. H. Russell nach London übermittelt; als erster Journalist nutzte er bei der Nachrichtenübermittlung den Telegraphen.

Der Krimkrieg bedeutete den Zusammenbruch einer nachnapoleonischen Ordnung in Europa, durch die es den Großmächten Großbritannien, Russland, Österreich und Preußen gelungen war, vier Jahrzehnte lang den Frieden in Europa aufrecht zu erhalten. In Russland gab die Niederlage im Krimkrieg den Anstoß zu einem weit reichenden Reformprogramm unter Zar Alexander II.