Achim von Arnim
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Achim von Arnim
2. Werk

Arnims gemeinsam mit Brentano herausgegebene dreibändige Sammlung Des Knaben Wunderhorn (1806-1808) mit etwa 600 Bearbeitungen deutscher Volkslieder, deren Idee wohl auf einer gemeinsamen Rheinfahrt 1802 geboren wurde, gehört zu den wichtigsten Zeugnissen einer von der Romantik propagierten „Volksdichtung”. Enthalten sind Liebes-, Kinder-, Kriegs- und Wanderlieder vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert. Goethe empfahl Des Knaben Wunderhorn unumwunden zur Lektüre über alle Standesgrenzen hinweg, da es ihm für die einfachste Küche ebenso wie für das Klavier der Gelehrten geeignet erschien.

Arnims Novellensammlung Der Wintergarten (1809) zeigt die Hinwendung zum Übernatürlichen und übte ebenso wie der Eheroman Armut, Reichtum, Schuld und Buße der Gräfin Dolores (1810) großen Einfluss auf die in der Tradition der Romantik stehenden Dichter aus. Die Erzählung Isabella von Ägypten (1812) nahm in ihrer Vermischung von Fiktion und Realität Züge des Surrealismus vorweg und verknüpfte diese traumhafte Phantastik mit historischen Bezügen. Poetologisch stellte Arnim seine Literatur in den Dienst politischer Erneuerung, die er, dem Zeitgeist der Heidelberger Romantik gemäß, nicht im parlamentarischen Dialog, sondern in der künstlerischen Gestaltung und Transformation zu verwirklichen gedachte. In diesem Kontext war für ihn auch die Neubelebung volkstümlicher Stoffe von Interesse.

Mit dem unvollendeten Roman Die Kronenwächter (1817) trug Arnim maßgeblich zur Erneuerung des historischen Romans in der deutschen Literatur bei. Er reflektiert Missstände seiner eigenen, als unzulänglich empfundenen Zeit im geschichtlichen Gewand. Eine meisterhaft gebaute Novelle legte er 1818 mit Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau vor. Weitere Werke des Autors sind der noch in Göttingen verfasste Roman Hollin’s Liebesleben (1802), die Erzählungen bzw. Novellen Fürst Ganzgott und Sänger Halbgott (1818), Die Majorats-Herren (1819), Owen Tudor (1820) und Landhausleben (1826) sowie die kaum je gespielten Dramen Halle und Jerusalem (1811, nach Andreas Gryphius) und Die Gleichen (1819). Als Lyriker wird Arnim kaum wahrgenommen, obwohl er ein an Umfang, Form und Inhalt reiches und vielgestaltiges lyrisches Werk hinterlassen hat; so enthalten fast alle seine erzählerischen Werke Gedichte und Lieder. Nach seinem Tod sorgte Bettina von Arnim für die Herausgabe seines Nachlasses; so veröffentlichte sie das unkonventionelle Werk Die Päpstin Johanna (1846), ein Drama mit narrativen Passagen, und veranlasste – größtenteils auf eigene Kosten und im Selbstverlag – die Herausgabe einer Gesamtausgabe der Werke Achim von Arnims (22 Bände, bis 1856), anfangs noch unter Federführung Wilhelm Grimms.