Entwicklungshilfe
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Entwicklungshilfe
2. Geschichte

Der Hauptanteil der internationalen Entwicklungshilfe fließt von jeher in die Länder der Dritten Welt. Abgesehen von den klimatischen und geographischen Ursachen wird die soziopolitische Rückständigkeit und der deutliche wirtschaftliche Entwicklungsbedarf dieser überwiegend auf Erlöse aus der Rohstoff-Primärproduktion angewiesenen Länder im Wesentlichen als ein Erbe von Kolonialismus und neokolonialer Abhängigkeiten von den reichen Industriestaaten betrachtet.

Neben den ehemaligen Kolonialmächten spielten vor allem Geschäftsbanken, der Internationale Währungsfonds (IWF), die Weltbank (Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, IBRD) sowie die ebenfalls zur Weltbankgruppe gehörige Internationale Entwicklungsorganisation (IDA) eine Vorreiterrolle bei der Entwicklungshilfe. Sie versorgten die verarmten und rückständigen Länder nach Erlangung ihrer staatlichen Unabhängigkeit mit zinsgünstigen Krediten zur Wirtschaftsentwicklung.

1979 legte die Brandt-Kommission – ein unabhängiges Gremium für internationale Entwicklungsfragen unter Vorsitz von Willy Brandt – einen umfassenden Plan vor, der sich mit dem Problemkomplex Verschuldung und Entwicklung befasste. Die Schwerpunkte lagen bei globalen Nahrungsmittel- und Energieprogrammen, einer stärkeren Beteiligung der Entwicklungsländer an der Weltbank und anderen internationalen Organisationen sowie einer erweiterten Hilfe in Form von nichtrückzahlbaren Finanzhilfen, zinsgünstigen Darlehen und einem Schuldenerlass. Dieser Plan wurde von den Regierungen der Industriestaaten jedoch größtenteils ignoriert.

In ihrem Abschlussbericht mit dem Titel Unsere gemeinsame Zukunft gab die Internationale Kommission für Umwelt und Entwicklung 1987 den Anstoß zum Konzept der nachhaltigen Entwicklung. Ihre Empfehlungen zur Bevölkerungspolitik, Energieversorgung, Erhaltung der Artenvielfalt sowie zur Industrie- und Siedlungsentwicklung dienen seitdem als offizielle Richtschnur der internationalen Entwicklungspolitik. Nachhaltigkeit im Sinne von „tragfähiger Entwicklung” bedeutet, die Bedürfnisse der Gegenwart so zu befriedigen, dass die Möglichkeiten künftiger Generationen nicht eingeschränkt werden. Die UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung (United Nations Conference on Environment and Development, UNCED) 1992 in Rio de Janeiro erhob die Nachhaltigkeit zur Grundlage aller politischen Entscheidungen über den Umgang mit natürlichen, gesellschaftlichen und technischen Ressourcen. Die internationale Staatengemeinschaft ließ die Forderung nach einer nachhaltigen Entwicklung als globales Leitprinzip in die Deklaration von Rio einfließen und verknüpfte dieses mit dem ehrgeizigen Aktionsprogramm Agenda 21 (siehe Internationale Umweltschutzabkommen). Doch von den geschätzten 125 Milliarden US-Dollar, die zu seiner Umsetzung notwendig wären, brachten die Geberländer bislang nur 2,5 Milliarden auf.

Heute wird Entwicklungshilfe meist als Teil internationaler Konfliktverhütung und Friedenssicherung gesehen. Von den OECD-Staaten und den internationalen Finanz- und Entwicklungshilfeorganisationen wird sie mit der Forderung nach demokratischen Strukturen in den Entwicklungsländern (good governance, etwa „gute Regierungsführung”) und der Einbeziehung der dortigen Zivilgesellschaft verknüpft. Neben dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung wird dabei die Eigenverantwortung der Entwicklungsländer betont. Durch einen höheren Grad an innergesellschaftlicher Partizipation sollen diese Länder in die Lage versetzt werden, ihre eigenen Fähigkeiten zu verbessern (capacity building).