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Andhra Pradesh
1. Einleitung

Andhra Pradesh, Bundesstaat im Süden Indiens, der an folgende andere Bundesstaaten grenzt: im Süden an Tamil Nadu, im Westen an Karnataka, im Norden und Nordwesten an Maharashtra, im Nordosten an Madhya Pradesh und Orissa sowie im Osten an den Golf von Bengalen. Andhra Pradesh hat eine Fläche von 275 045 Quadratkilometern, Hauptstadt des Bundesstaates ist Hyderabad.

2. Land

Die Ostghats erstrecken sich über die gesamte Länge von Andhra Pradesh. Ihnen ist im Osten eine Küstenebene vorgelagert, im Westen gehen sie in das Telangana-Hochland über. Die von den Flüssen, vor allem dem Godavari und dem Krishna, abgelagerten Schwemmlandböden sind bei Bewässerung äußerst ertragreich, weshalb sich Andhra Pradesh zu einer der führenden Agrarregionen Indiens entwickelt hat. Die durchschnittlichen Sommer- und Wintertemperaturen in Andhra Pradesh liegen bei 28 °C bzw. 10 °C. Das Klima des Binnenhochlandes ist im Allgemeinen kühler und trockener als an der Küste, wo die Temperaturen in den Sommermonaten Extremwerte von 42 °C erreichen können. Niederschläge fallen unter dem Einfluss des Monsuns überwiegend zwischen Juli und Oktober: Die mittleren Jahresniederschläge liegen um 1 400 Millimeter an der Küste und bei circa 500 Millimetern im Binnenland. Im Sommer wird das Gebiet gelegentlich von Wirbelstürmen heimgesucht.

3. Bevölkerung

Andhra Pradesh hat etwa 75,7 Millionen Einwohner, was einer Bevölkerungsdichte von 275 Einwohnern pro Quadratkilometer entspricht. Größte Städte neben der Hauptstadt Hyderabad sind Vishakhapatnam (Indiens viertgrößter Hafen) und Vijayawada. Der Bundesstaat ist nach dem Volk der Andhra benannt, das seit über 2 500 Jahren in der Region lebt und 85 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Die Andhra sind Hindus, ihre Sprache, Telugu, ist Amtssprache. Eine muslimische Minderheit, die Urdu spricht, lebt im Hochland, vor allem in und um Hyderabad; Tamil und Kannada werden im Süden und Südwesten gesprochen.

4. Verwaltung und Politik

Andhra Pradesh hat ein Parlament mit einer Kammer, der gesetzgebenden Versammlung. Von den 295 Abgeordneten werden 60 in das Bundesparlament Indiens entsandt – 18 in das Rajya Sabha (Oberhaus) und 42 in das Lok Sabha (Unterhaus). Der Bundesstaat gliedert sich verwaltungsmäßig in 23 lokale Verwaltungsbezirke.

5. Wirtschaft

Etwa 70 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Andhra Pradesh ist eine der wichtigsten Reisanbauregionen Indiens. Daneben haben Zuckerrohr, Ölsaaten, Bohnen und Hülsenfrüchte wirtschaftliche Bedeutung. Seit Indiens Unabhängigkeit 1947 investierte die Regierung des Bundesstaates viel Geld in die Ausweitung der Bewässerungsflächen mittels Kanal- und Dammbauten von der Küstenebene in das trockenere Landesinnere. Der Godavari und der Krishna bewässern sechs Millionen Hektar Anbauland. Das 1960 fertig gestellte Nagarjuna-Sagar-Projekt am Krishna ist mit 800 Kilometer langen Kanälen eines der bedeutendsten Bewässerungssysteme.

Andhra Pradesh ist daneben einer der am stärksten industrialisierten Bundesstaaten Indiens. Die im Wesentlichen nach 1947 aufgebauten Industriesektoren umfassen Stahlproduktion, Schiffbau, Maschinenbau sowie die Herstellung von pharmazeutischen Produkten, Düngemitteln, Zement, Zucker und Jute. Andhra Pradesh hat beträchtliche Bodenschätze, die bedeutendsten sind Kohle, Erdgas, Asbest, Baryt, Kupfererz, Glimmer und Eisenerz. Die Golconda-Minen, in denen der Kohinoor und andere berühmte Diamanten gefunden wurden, liegen in diesem Bundesstaat. Der Tourismus ist von wachsender wirtschaftlicher Bedeutung.

6. Geschichte

Sanskritschriften aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. beschreiben die Andhra als Arier aus dem Norden, die bis südlich der Vindhyakette zogen und sich dort mit nichtarischen Völkern vermischten. Die Andhra werden erneut erwähnt anlässlich des Todes des großen mauryarischen Königs Aschoka 236 v. Chr. Dieses Datum wird als Beginn der Geschichte des Andhra-Volkes angesehen. Verschiedene Herrscherhäuser haben die Region regiert, so die Satavahanas oder Andhra, Sakas, Ikshvakas, die Östlichen Calukyas, Vijayanagar, die Qutb Shahis und die Nizam von Hyderabad. Im 17. Jahrhundert bekamen die Briten zunächst die Küstengebiete der Nizam, die Provinz Madras und schließlich Teile des Binnenlandes unter ihre Kontrolle. Andhra standen in der Bewegung des indischen Nationalismus im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert mit an vorderster Front. Ihre Forderungen nach einem eigenen Staat für Telugu sprechende Völker führten 1953 zur Bildung des Bundesstaates Andhra. Dies ebnete in ganz Indien den Weg zur 1957 erfolgten Bildung von Bundesstaaten auf Sprachengrundlage. Der Bundesstaat wurde 1956 erweitert und umfasste danach auch die Mehrheit der Telugu sprechenden Bewohner der Gegend um Hyderabad, woraus das heutige Andhra Pradesh hervorging. Im Juni 1991 wurde P. V. Narasimha Rao (Regierungschef von Andhra Pradesh, 1971-1973) der erste Regierungschef Indiens aus dem südlichen Indien.