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Al Fatah

Al Fatah, palästinensische politische Organisation, die führende und mitgliederstärkste Gruppierung innerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Der Name Al Fatah ist ein Anagramm von Harakat el-tahrir el-Falastin: „Bewegung zur Befreiung Palästinas”.

Die Organisation wurde 1958 von Jasir Arafat, Salah Khalaf, Khalil al-Wazir (Abu Jihad) und anderen gegründet und war ursprünglich ein loses Netzwerk von verschiedenen Gruppierungen, darunter Studentengruppen, Palästinenser in Flüchtlingslagern etc., das viele unterschiedliche ideologische Strömungen versammelte. Die Führung hatte von Beginn an Jasir Arafat inne. Ziel der Fatah war die Errichtung eines unabhängigen Staates Palästina. 1965 begann die Al Fatah mit ihrer Partisanengruppe Al Asifa (Sturm) mit ersten Guerilla-Aktionen gegen den Staat Israel. Unter der Führung von Jasir Arafat erlangte die Fatah nach dem Sechstagekrieg 1967 die dominierende Rolle unter den palästinensischen Exilorganisationen; 1968 nahm die PLO unter dem Einfluss der Fatah den bewaffneten Kampf als einzigen Weg zur Befreiung Palästinas in ihre Nationalcharta auf und sprach zugleich Israel jedes Existenzrecht ab. 1969 wurde Arafat zum Vorsitzenden des Exekutivkomitees der PLO gewählt; die Fatah wurde zur größten und einflussreichsten Gruppierung innerhalb der PLO. Zunächst führte die Fatah ihre Terroraktionen gegen die israelisch besetzten Gebiete von ihrer Operationsbasis in Jordanien aus, und nachdem sie 1970/71 gewaltsam von dort vertrieben worden war, agierte die Fatah vom Libanon aus, bis sie in Folge des Libanonkrieges 1982 auch hier ihre Stützpunkte aufgeben musste.

Die Fatah ist heute in verschiedene Gruppen gespalten: Fatah-Radikale, eine radikale Minderheit innerhalb der Fatah unter der Führung von Taisir Bardini; Fatah-Revolutionärer Rat, eine militante Gruppierung, die sich unter der Führung von Abu Nidal 1974 wegen Arafats moderater Politik von der Fatah abgespalten hatte; und im Rahmen der Al-Aksa-Intifada machten schließlich die so genannten Al-Aksa-Brigaden, die ebenfalls aus der Fatah hervorgegangen waren, mit zahlreichen blutigen Selbstmordattentaten auf sich aufmerksam. Die meisten der radikalen Fatah-Gruppierungen halten an den ursprünglichen Zielen der Organisation fest, der Errichtung eines palästinensischen Staates in ganz Palästina – was die Vernichtung Israels voraussetzen würde – und stehen damit im Gegensatz zur unterdessen geänderten PLO-Charta.

Bei der ersten Wahl zum Palästinensischen Autonomierat, dem palästinensischen Parlament, im Januar 1996 gewann die Fatah 50 der insgesamt 88 Mandate, war nun also auch hier – wie in der PLO – die dominierende Kraft und übernahm auch in der Autonomiebehörde, dem Exekutivorgan, die Führung. Bei der zweiten Parlamentswahl in den Palästinensergebieten, die im Januar 2006 stattfand, büßte sie jedoch ihre Führungsrolle ein: Sie gewann nur noch 45 der nun insgesamt 132 Mandate und wurde von der Hamas, die auf 74 Mandate kam, als absolut stärkste Kraft abgelöst. Ihre Niederlage verdankte die Fatah nicht zuletzt der Korruption, Vetternwirtschaft und Ineffizienz, die in den von ihr beherrschten Strukturen, insbesondere der Autonomiebehörde, grassierten. Nach der Wahlniederlage kam es zu teils gewalttätigen Protesten von Fatah-Anhängern gegen die eigene Führung, die offensichtlich angesichts der vielfältigen Herausforderungen weitgehend versagt hatte. Das Angebot der Hamas, sich an der Regierung zu beteiligen, lehnte die Fatah ab und schied damit aus der Autonomiebehörde aus, die nun von der Hamas unter Ministerpräsident Ismail Hanija übernommen wurde. Im März 2007 kehrte sie jedoch in die Regierung zurück, und zwar in die neu formierte, weiterhin von der Hamas dominierte Regierung der nationalen Einheit. Diese Regierung war u. a. auf Betreiben von Präsident Mahmud Abbas, PLO-Vorsitzender und Fatah-Mitglied, zustande gekommen und sollte nicht zuletzt zur Beendigung des innerpalästinensischen Machtkampfes zwischen der durch die Wahlen ins politische Abseits gedrängten Fatah und der Hamas beitragen. Nur drei Monate später löste Abbas die Regierung wieder auf, nachdem sich der Machtkampf zu einem Bürgerkrieg zwischen Fatah und Hamas ausgeweitet hatte, in dessen Verlauf die Hamas die Fatah vollständig aus dem Gazastreifen verdrängte. Die von der Fatah dominierte Notstandsregierung, die Abbas nun berief, konnte jedoch lediglich im Westjordanland agieren, während der Gazastreifen von der Hamas kontrolliert wurde.