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Aufstand am 17. Juni

Aufstand am 17. Juni, auch Juniaufstand, Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953, ausgelöst durch Erhöhungen der Arbeitsnormen. Der Aufstand wurde vor allem von der Arbeiterschaft getragen.

Die Maßnahmen der Staatsführung der DDR zum „Aufbau des Sozialismus” nach sowjetischem Vorbild hatten seit Sommer 1952 die Unzufriedenheit in der Bevölkerung spürbar anwachsen lassen, da die Konsumgüterproduktion zugunsten einer beschleunigten Entwicklung der Schwerindustrie vernachlässigt worden war. In der Atmosphäre der politischen Unsicherheit nach Stalins Tod am 2. März 1953 stellte auf sowjetischen Druck hin das SED-Politbüro am 9. Juni in der DDR einen liberalen „Neuer Kurs” in Aussicht. Als jedoch am 16. Juni in der Tribüne, der Zeitung der Einheitsgewerkschaft FDGB, bekannt gegeben wurde, dass trotz der Liberalisierung der Wirtschaft die am 28. Mai verfügte Erhöhung der Arbeitsnormen um 10 Prozent (ohne entsprechenden Lohnausgleich) aufrechterhalten bleiben sollte, legten die Bauarbeiter der Stalinallee in Ostberlin die Arbeit nieder und zogen demonstrierend zum Haus der Ministerien, dem Regierungssitz. Am folgenden Tag, dem 17. Juni, schlossen sich über 10 000 Beschäftige der Stahl- und Walzwerke Henningsdorf der Arbeitsniederlegung und den Demonstrationen im Ostberliner Regierungsviertel an; und nach Verbreitung der Nachrichten über die Vorgänge in Berlin durch die westlichen Rundfunksender erfasste die Protestbewegung rasch auch andere Großstädte und Industriezentren wie z. B. Leipzig, Magdeburg, Halle, Bitterfeld und Jena und weitete sich schließlich auf die ganze DDR aus.

Die zunächst wirtschaftlichen Forderungen – Senkung der Arbeitsnormen und der Lebenshaltungskosten – schlugen in politische um: Rücktritt der Regierung und freie Wahlen. Es entstanden Streikkomitees, in mehreren Städten wurden Parteibüros gestürmt, Polizisten entwaffnet und politische Gefangene befreit. Am 17. Juni verhängte der sowjetische Stadtkommandant über Ostberlin den Ausnahmezustand, der am 18. Juni auf die gesamte DDR ausgedehnt wurde. Unterstützt von der kasernierten Volkspolizei der DDR schlugen sowjetische Truppen noch am 17. Juni in Berlin den gewaltlosen Aufstand nieder. 21 Personen wurden von sowjetischen Standgerichten zum Tod verurteilt und sofort hingerichtet; weitere Todesurteile durch DDR-Gerichte und Hinrichtungen folgten. Einer 2004 veröffentlichten Studie des Zentrums für Zeithistorische Forschungen (ZZF) zufolge kamen im Zusammenhang mit dem Aufstand mindestens 55 Menschen ums Leben, und nicht etwa, wie im Westen angegeben, mehr als 500 bzw. nur 25, wie in der DDR behauptet. Etwa 1 400 am Aufstand Beteiligte erhielten Freiheitsstrafen.

Walter Ulbricht, der Erste Sekretär der SED, nutzte den Aufstand, um seine nach Stalins Tod gefährdete Machtposition durch Ausschaltung seiner innerparteilichen Gegner abzusichern. In der Bundesrepublik wurde der 17. Juni als Tag der deutschen Einheit zum nationalen Feiertag erhoben; nach der deutschen Einigung 1990 trat der 3. Oktober an seine Stelle.