| Anthropologie (Philosophie) | Artikelansicht | ||||
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| 1. | Einleitung |
Anthropologie (Philosophie) (von griechisch anthropos: der Mensch und lógos: die Lehre), die Lehre bzw. Wissenschaft vom Menschen (Anthropologie). Die philosophische Anthropologie fragt danach, was der Mensch seinem Wesen nach ist.
Historisch läßt sie sich als geisteswissenschaftliche Antwort auf die biologischen Zweifel an der Sonderstellung des Menschen, auf die Vernunftkritik und die psychoanalytische Trieblehre Sigmund Freuds begreifen. Als Gründungsakt der philosophischen Anthropologie im eigentlichen Sinn gilt Max Schelers Schrift Die Stellung des Menschen im Kosmos (1928). Hierin hebt Scheler hervor, dass der Mensch als weltoffenes und nicht triebgebundenes Geistwesen in der Natur eine Sonderstellung einnimmt. Für Helmuth Plessner (Die Stufen des Organischen und der Mensch, 1928) ist der Mensch wesentlich durch seine exzentrische Position in der Natur bestimmt. Dies bedeutet, dass der Mensch als einziges Wesen zu sich selbst Distanz hat. Für Arnold Gehlen (Der Mensch, 1940) ist der Mensch vor allem ein Mängelwesen. Die gegenüber den Tieren mangelhafte Ausstattung zwingt den Menschen geradezu zur Schaffung von Kultur. Gehlens Thesen sind nach dem Zweiten Weltkrieg von dem Biologen Adolf Portmann als sachlich unhaltbar zurückgewiesen worden. Wie später Adorno und Habermas (Anthropologie als eher konservative bzw. nur reaktiv, verarbeitende Wissenschaft) war auch Martin Heidegger ein Gegner der Anthropologie, da für ihn das Dasein (jenes verstehende Sein, dem es in seinem Sein wesentlich um das Sein des Seienden geht) ursprünglicher als der Mensch ist. Jean-Paul Sartre übersetzte Heideggers Begriff Dasein in L’être et le neant, (1943, Das Sein und das Nichts) unter dem Titel realité humaine (menschliche Realität) ins französische, wobei für Sartre die absolute, unbedingte und in die Welt geworfene Freiheit das Wesen dieser realité humaine ausmacht. Heute ist die philosophische Anthropologie im Wesentlichen vergleichende Kulturwissenschaft. Dabei geht es insbesondere um die Frage, in welcher Weise die Leistungen des Menschen sich in den verschiedenen Kulturen niederschlagen. Als Grundlagenwerk dieser anthropologischen Kulturwissenschaft gilt Ernst Cassirers Philosophie der Symbolischen Formen (3 Bde., 1928-1929), worin erstmals drei Kernbereiche der menschlichen Kultur (Sprache, Mythos, Erkenntnis) weltumspannend und vergleichend untersucht wurden.