| Barock (Literatur) | Artikelansicht | ||||
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| 1. | Einleitung |
Barock (Literatur), Epochen- und Stilbegriff. Herzuleiten entweder vom mittellateinischen baroco (Merkwort für einen später als abstrus empfundenen scholastischen Syllogismus) oder dem portugiesischen pérola barroca (Fachausdruck der Juweliere für eine Perle von unregelmäßiger, schiefrunder Form), wurde das Adjektiv barock im 18. und 19. Jahrhundert als Geschmacksbegriff mit meist abwertender Bedeutung (bizarr, grotesk, schwülstig) verwendet.
Barock als Epochen- und Stilbegriff setzte sich seit 1860 in der Kunstgeschichte durch (negativ akzentuiert etwa bei Jacob Burckhardt, positiv bei Cornelius Gurlitt und Heinrich Wölfflin) und wurde dann unter dem Einfluss von Heinrich Wölfflins Kunstgeschichtlichen Grundbegriffen (1915) von der deutschen Literaturwissenschaft übernommen. Barock bezeichnete hier zunächst einerseits einen durch bestimmte Merkmale charakterisierten Stil (ausgeprägte Rhetorisierung der Sprache, gesteigerte Bildlichkeit, Artistik der Form), andererseits die Epoche zwischen Reformationszeit bzw. Renaissance und Aufklärung, in der dieser Stil dominant zu sein schien. Während Barock als Stilbegriff heute kaum noch eine Rolle spielt, hat er sich in der deutschen Literaturgeschichte als Epochenbegriff für die Periode von etwa 1600 bis 1720 weitgehend behauptet. In anderen europäischen Philologien hat er, wenn überhaupt, meist nur eine begrenzte Bedeutung erhalten, etwa für die Phänomene der préciosité in Frankreich und der italienischen und spanischen Argutia-Bewegung (Marinismus, Gongorismus).