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Brandenburg (Bundesland)
1. Einleitung

Brandenburg (Bundesland), Bundesland im Osten der Bundesrepublik Deutschland, grenzt im Norden an Mecklenburg-Vorpommern, im Osten an Polen, im Süden an Sachsen und im Westen an Sachsen-Anhalt. Im Zentrum des Bundeslandes liegt der Stadtstaat Berlin. Brandenburgs Gesamtfläche beträgt 29 476 Quadratkilometer. Hauptstadt und größte Stadt Brandenburgs ist Potsdam. Weitere große Städte sind Cottbus, Brandenburg an der Havel und Frankfurt (Oder).

2. Land

Brandenburg liegt im Bereich des Norddeutschen Tieflandes. Die Landschaft des Bundeslandes wurde von aus Skandinavien kommenden Eismassen geprägt, größtenteils während der Weichsel-Eiszeit. Im Norden des Bundeslandes erstreckt sich von Nordwesten nach Südosten der Baltische Landrücken, ein Endmoränenbogen, der bis über 150 Meter hoch ist. Zahlreiche Seen, die zur Mecklenburgischen Seenplatte gehören, sind zwischen den Moränenhügeln eingebettet. Im Nordwesten Brandenburgs liegt die Prignitz, eine trockene und waldreiche Sanderlandschaft. An Polen grenzen die Uckermark (mit der Schorfheide) im Norden, die Märkische Schweiz im Osten Berlins und die Niederlausitz im Süden. Die Oberflächenformen des südlichen Brandenburgs wurden nicht während der Weichsel-Eiszeit, sondern schon während der Saale-Eiszeit geschaffen. Die Moränen dieser Eiszeit (Altmoränen) bilden die Höhenzüge des Lausitzer Grenzwalls und des Flämings. Durch die zentralen Teile Brandenburgs verlaufen von Ost nach West Urstromtäler, dies sind breit angelegte Sohlentäler, in denen während der letzten Vereisungen Schmelzwasser, am Eisrand entlang, zur Nordsee transportiert wurde. Von Süden nach Norden folgen aufeinander das Glogau-Baruther, das Warschau-Berliner und das Thorn-Eberswalder Urstromtal. In diesen Tälern verlaufen heute Teilstücke der Flüsse Spree, Havel und Elbe sowie künstlich angelegte Kanäle (u. a. Oder-Spree-Kanal und Oder-Havel-Kanal). Auch die Feuchtgebiete Spreewald, Oderbruch und Havelland, mit ihren großen Auwäldern, liegen in diesen während der Eiszeit angelegten Talungen.

Das Klima Brandenburgs ist kontinental-trocken. Im Durchschnitt fallen nur zwischen 500 und 600 Millimeter Jahresniederschlag, lediglich am Fläming, in der Niederlausitz und am Baltischen Landrücken werden bis zu 800 Millimeter gemessen. Nur etwa 13 Prozent der Fläche des Landes sind mit Wald bedeckt. Größere Waldareale stocken auf Sandböden des Baltischen Landrückens, der südlichen Uckermark (Schorfheide) und der Altmoränen.

3. Bevölkerung

Die Einwohnerzahl des Bundeslandes beträgt etwa 2,57 Millionen. Mit einer Bevölkerungsdichte von 87 Einwohnern pro Quadratkilometer ist Brandenburg, abgesehen von Mecklenburg-Vorpommern, das am dünnsten besiedelte Bundesland Deutschlands. Am dichtesten ist das Bundesland in der Niederlausitz und um Berlin besiedelt. Die Niedersorben leben im Süden der Niederlausitz. Das ursprünglich westslawische Volk der Sorben (Wenden), das in der Lausitz circa seit dem 7. Jahrhundert siedelt, hat sich eine eigene Sprache (Sorbisch) und Kultur erhalten. 45 Prozent der brandenburgischen Bevölkerung sind christlichen Glaubens; davon ist die überwiegende Mehrheit evangelisch-lutherisch oder gehört der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg an. Über die Hälfte der Einwohner des Bundeslandes ist konfessionslos.

4. Verwaltung und Politik

Die Landesverfassung wurde 1992 verabschiedet. Die 88 Abgeordneten des Landtages werden für fünf Jahre gewählt. Brandenburg gliedert sich in die vier kreisfreien Städte Brandenburg an der Havel, Cottbus, Frankfurt (Oder) und Potsdam sowie in 14 Landkreise.

5. Bildung und Kultur

In Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus gibt es Universitäten, in Brandenburg an der Havel, Eberswalde und Senftenberg Fachhochschulen, in Potsdam zudem eine Hochschule für Recht und Verwaltung, eine Hochschule für Film und Fernsehen und mehrere Forschungsinstitute. Im brandenburgischen Schulsystem wurde 1996 das Schulfach Religion durch das Fach „Lebensgestaltung – Ethik – Religionskunde (LER)” ersetzt.

Das Schloss Sanssouci bei Potsdam ist eine der frequentiertesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Es wurde 1990 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. In den Filmstudios Potsdam-Babelsberg (früher UFA-Filmstudios) wurden viele der bedeutendsten deutschen Filme gedreht. Eine detaillierte Landschaftsbeschreibung des heutigen Bundeslandes hinterließ Theodor Fontane in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg.

6. Wirtschaft

Wichtigste Industriegebiete Brandenburgs sind das Braunkohlerevier der Niederlausitz und die Stadtrandzone Berlins (mit den Städten Potsdam, Ludwigsfelde, Teltow und Wildau). Um Berlin gibt es vor allem Eisenhüttenindustrie und Maschinenbau. Die Niederlausitz erlangte durch die Herstellung von Textilien und durch die Flachsverarbeitung schon im 16. Jahrhundert überregionale Bedeutung. Für die Glaserzeugung, die bis Ende des 19. Jahrhunderts exportfähig ausgebaut werden konnte, die Ziegel- und Keramikindustrie, die Metallverarbeitung und die Aluminiumherstellung diente Braunkohle aus Bockwitz (Lauchhammer) und dem Senftenberger Revier (Schwarze Pumpe) als Energieträger. Wichtigste Produktionszentren der Niederlausitz sind Spremberg, Guben und Forst. Seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts wird in der Niederlausitz der Braunkohlentagebau in großem Umfang betrieben. In den Großkraftwerken Lübbenau, Boxberg, Jänschwalde und Vetschau wird aus der Braunkohle Energie erzeugt. Weitere Städte Brandenburgs, in denen es größere Industrieansiedlungen gibt, sind Wittenberge, Frankfurt (Oder), Schwedt und Eisenhüttenstadt.

In weiten Teilen Brandenburgs ist die Landwirtschaft der bedeutendste Wirtschaftszweig. Die Agrarproduktion der preußischen Provinz Mark Brandenburg, die vor allem auf den Anbau von Sonderkulturen (vor allem Obst) ausgerichtet war, wurde nach 1945 beträchtlich gesteigert. Angebaut werden heute vor allem Weizen, Roggen, Gerste und Zuckerrüben. Im Oderbruch und im Spreewald ist der Gemüseanbau verbreitet, im Havelland der Obstanbau.

Neben der Industrie und Landwirtschaft hat sich der Tourismus zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Die Wälder und Seen Brandenburgs ziehen vor allem Erholungsuchende aus dem Ballungsraum Berlin an. Auf über 30 Prozent der Landesfläche - an der unteren Oder, in der Schorfheide, im Spreewald, in der Märkischen Schweiz, auf dem Baltischen Landrücken und an der Elbe - sind verschiedene Natur- und Landschaftsschutzgebiete geplant oder bereits ausgewiesen.

Eisenbahnstrecken und Autobahnen nach Berlin durchziehen Brandenburg sternförmig. Bedeutende Binnenhäfen des Landes sind Potsdam, Wittenberge und Königs Wusterhausen. Der auf brandenburgischem Gebiet liegende Flughafen Berlin-Schönefeld soll bis zum Jahr 2010 zum Großflughafen der Bundeshauptstadt ausgebaut werden.

7. Geschichte

Brandenburg ist seit 1990 Bundesland. Die Landschaft Brandenburg stand lange Zeit als Kerngebiet des Königreiches Preußen im Mittelpunkt der deutschen Geschichte.

1. Von der Vorgeschichte bis zum Mittelalter

Steinbeilfunde im Gebiet des heutigen Brandenburg weisen in die Steinzeit um 10000 v. Chr. zurück, als nomadisierende Sammler und Jäger hier lebten. Dauerhafte Siedlungen errichteten zwischen der mittleren Elbe und der Oder seit etwa 1200 v. Chr. (Bronzezeit) die Menschen der Lausitzer Kultur, die um 500 v. Chr. von den germanischen Sweben (Sueben) verdrängt wurden. Bis ins 2. Jahrhundert n. Chr. siedelten die Swebenstämme der Semnonen und Langobarden in Brandenburg, in der Altmark und der Prignitz; östlich der Oder saßen die zu den Weichselgermanen gehörenden Burgunder. Seit dem Abzug der Germanen in der Völkerwanderung rückten etwa ab dem 6. Jahrhundert die slawischen Liutizen, Heveller und Abodriten nach.

2. Die Nordmark

Nach der zeitweiligen Unterwerfung der Elbslawen durch Karl den Großen brachten die Ottonen, König Heinrich I. und sein Sohn, der spätere Kaiser Otto I., das Gebiet östlich der Elbe unter ihre Vorherrschaft: 928/29 eroberte Heinrich I. das Gebiet der Heveller und ihre Hauptburg Brendanburg (Brandenburg), und Otto I. errichtete zur Sicherung der Ostgrenze die Nord- oder Elbmark, die er 937 Markgraf Gero übertrug. Im Sinne der planmäßigen Missionierung der Elbslawen gründete Otto I. 948 die Bistümer Brandenburg und Havelberg, die dem Erzbistum Magdeburg, dem Zentrum der ottonischen Ostmission, unterstellt wurden. In dem von dem mächtigen Liutizenbund angeführten Slawenaufstand 983 gingen die ostelbischen Gebiete jedoch wieder verloren, und Kaiser Ottos II. plötzlicher Tod im selben Jahr verhinderte zunächst alle Versuche, die Missionsgebiete und Marken östlich von Elbe und Saale zurückzugewinnen.

3. Die Markgrafschaft Brandenburg

Einen Neuanfang in der deutschen Ostkolonisation machte Kaiser Lothar II., als er 1134 den Askanier Graf Albrecht den Bären mit der Nordmark belehnte. Albrecht eroberte die Prignitz sowie Siedlung und Burg Brandenburg und erbte das Havelland; 1157 verlegte er seinen Amtssitz in den Ort Brandenburg und trug fortan den Titel „Markgraf von Brandenburg”. In dem durch die Liutizenkämpfe weitgehend entvölkerten Land siedelte Albrecht Bauern, Handwerker und Kaufleute aus den altaskanischen Gebieten am Niederrhein und im Harz an. Albrecht und seine askanischen Nachfolger schufen mit zahlreichen territorialen Neuerwerbungen ein geschlossenes Territorium von der Altmark im Westen der Elbe bis zur Neumark östlich der Oder und stiegen zu Reichsfürsten auf: 1177 erhielten sie das Amt des Reichserzkämmeres und 1230 wurden sie als Kurfürsten erwähnt. Der Konsolidierung der askanischen Herrschaft nach außen entsprach die Entwicklung im Inneren: Es entstanden u. a. die Städte Stendal, Spandau, Cölln, Berlin und Frankfurt (Oder), die sich als Märkischer Städtebund der Hanse anschlossen sowie die Zisterzienserklöster Zinna, Lehnin und Chorin, die den wirtschaftlichen Ausbau des Landes förderten und – wie auch Franziskaner- und Dominikanermönche – die Bevölkerung missionierten.

Von 1323 bis 1411 wurde Brandenburg von Fürsten aus den Häusern Wittelsbach und Luxemburg regiert: Nach dem Aussterben der brandenburgischen Askanier 1319 übertrug Kaiser Ludwig IV., der Bayer die Mark Brandenburg seinem achtjährigen Sohn Ludwig. Den Wittelsbacher Markgrafen, die wie später die Luxemburger die Mark als Anhängsel ihrer eigentlichen Herrschaftsgebiete regierten, gelang es jedoch nicht, sich gegen die erstarkenden Landstände durchzusetzen; außerdem gingen die Ober- und die Niederlausitz an Böhmen verloren. 1373 erwarb der Luxemburger Kaiser Karl IV. Brandenburg von den Wittelsbachern; in der Goldenen Bulle von 1356 hatte Karl IV. Brandenburg als eines der sieben – unteilbaren – Kurfürstentümer des Heiligen Römischen Reiches bestätigt.

Auch unter der luxemburgischen Verwaltung kam es zum Verlust märkischer Gebiete. Karls IV. Sohn König Sigismund verpfändete die Mark Brandenburg seinem Vetter Jobst von Mähren und verkaufte die Neumark an den Deutschen Orden. Einige reiche Städte schlossen sich mit dem Adel in Landfriedensbündnissen zusammen und übernahmen zeitweise das Regiment in Brandenburg. Das städtische Patriziat erwarb weiten Lehnsbesitz auf dem Land und beutete gemeinsam mit Adelsfamilien wie der Familie Quitzow aus der Prignitz, die Anfang des 15. Jahrhunderts die Mittelmark beherrschte, die Dörfer und kleinen Städte aus. Raubrittertum und Zersplitterung des Territoriums, Adelsfehden und ständische Opposition kennzeichnen die wittelsbachisch-luxemburgische Epoche in der Mark Brandenburg.

4. Das Kurfürstentum Brandenburg

1417 belehnte König Sigismund den Burggrafen von Nürnberg, Friedrich VI. von Hohenzollern, mit dem Kurfürstentum Brandenburg, dessen Verweser Friedrich bereits seit 1411 war; als Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg begründete er die bis 1918 dauernde Herrschaft der Hohenzollern. Zu Kurfürsten aufgestiegen, betrieben die ersten „brandenburgischen” Hohenzollern jedoch hauptsächlich Reichspolitik; für Friedrich I. sowie die folgenden zwei Generationen stellte Brandenburg nicht den Mittelpunkt ihres Tuns dar. Trotzdem konnten sich Friedrich I. und sein Sohn Friedrich II., der Eiserne, schließlich gegen die Landstände – den Adel und die Städte – durchsetzen und die Grenzen des Kurfürstentums erheblich erweitern: 1445 erwarb Friedrich II. Cottbus, Teupitz sowie Peitz, und 1455 kaufte er die Neumark zurück. Mit dem Recht der Bischofsbenennung in den Bistümern Brandenburg, Havelberg und Lebus erlangte Friedrich II. 1447 die Kirchenhoheit in wesentlichen Teilen des Kurfürstentums. Seit etwa 1450 entwickelte sich Berlin mit seiner unter Friedrich II. erbauten kurfürstlichen Residenz zum politischen Zentrum des Landes.

Friedrichs II. Bruder und Nachfolger Albrecht III. Achilles verfügte 1473 die Unteilbarkeit der märkischen Lande sowie ihre dauerhafte Trennung von dem fränkischen Besitz der Hohenzollern; außerdem schuf er eine beispielhafte Finanzverwaltung. Erst in der vierten Generation verlegten die Hohenzollern ihren Sitz nach Brandenburg: Kurfürst Johann Cicero, der älteste Sohn von Albrecht III. Achilles, war der erste Hohenzoller, der dauerhaft als Landesherr in Berlin residierte. Unter seiner Herrschaft versuchte Stendal den letzten Aufstand einer märkischen Stadt gegen die hohenzollerische Landesherrschaft, und zwar wegen der 1488 vom Landtag genehmigten Biersteuer, der ersten indirekten Steuer (Akzise) in Brandenburg.

4.1. Die brandenburgischen Landstände

In der „gemeinen Landschaft”, den Landtagen, traten von 1345 bis 1653 die drei Stände (Klerus, Adel und Städte) zusammen. Sie hatten u. a. das Recht der Steuerbewilligung, das sie als wichtigstes Druckmittel gegen die Landesherrschaft einsetzen konnten. Im 16. Jahrhundert erlangte der Landtag größeren Einfluss auf die brandenburgische Landespolitik, insbesondere hinsichtlich der Gebietserweiterungen, die Adel und Städte stets ablehnten. Ständische Beamte verwalteten in dem seit 1540 bestehenden ständischen „Kreditwerk” die durch Erbfolgestreitigkeiten entstandenen Schulden der Kurfürsten. Obwohl ihre Einnahmen ständig sanken, übernahmen die Städte zwei Drittel der Schulden und grenzten so die Zentralgewalt des Landesherrn, insbesondere des hoch verschuldeten Kurfürsten Joachim II. (1535-1571), empfindlich ein.

Die Ritterschaft des brandenburgischen Landesadels hatte als Wehrstand ausgedient; angesichts fehlender politischer und militärischer Aufgaben – der Kurfürst beschäftigte Fachbeamte und im Kriegsfall Söldnertruppen – wurde der Ritter Landwirt. Begünstigt durch die geringe Bevölkerungsdichte und die weiten herrenlosen Wüstungen in der Mark Brandenburg entstand das Wirtschaftssystem der Gutsherrschaft, das im 16. Jahrhundert zur Bildung reicher Rittergüter und zu steigendem Frondienst führte. Die Gutsherren erweiterten ihre Ländereien durch Bauernlegen sowie durch Inbesitznahme verlassenen Kulturlands und legten dort statt Bauernhöfen so genannte Vorwerke an, auf denen Tagelöhner und Kossäten (Hintersassen) arbeiteten. Als Leiter eines landwirtschaftlichen Großbetriebs fungierte der märkische Junker als unumschränkter Erb- und Gerichtsherr für die erbuntertänigen Bauern. Der Patrimonialherrschaft der adligen Großagrarier hatte der Kurfürst nicht viel entgegenzusetzen, weil er für die Steuerbewilligung auf die sämtlich landtagsberechtigten Ritter angewiesen war.

5. Reformation und Dreißigjähriger Krieg

Kurfürst Joachim I. Nestor (1499-1535) gründete 1506 die Universität Frankfurt (Oder) und 1516 das Kammergericht in Berlin; mit dem neuen Landesgesetz, der Constitutio Joachimica, gab er Brandenburg eine einheitliche Rechtsprechung. Als Gegner der Reformation beteiligte er sich maßgeblich an den Beschlüssen des Augsburger Reichstags von 1530 gegen den Protestantismus, konnte aber die Verbreitung des Luthertums in Brandenburg nicht verhindern. Bei seinem Tod 1535 bekannte sich bereits ein Großteil der märkischen Bevölkerung zum lutherischen Bekenntnis. Nach sächsischem Vorbild führte Kurfürst Joachim II. Hektor (1535-1571) 1539 die Reformation in Brandenburg ein; die brandenburgischen Kurfürsten wurden nun zu führenden Verfechtern des Protestantismus. In den folgenden Jahren wurden Kirchengüter eingezogen und die Klöster der aufgelösten märkischen Orden zu Verwaltungsämtern umgewidmet.

Nach der 1535 erfolgten Aufteilung Brandenburgs in die Kurmark unter Joachim II. und die Neumark unter Johann von Küstrin vereinigte Kurfürst Johann Georg (1571-1598) das gesamte brandenburgische Gebiet 1571 wieder und erwarb die böhmischen Lehen Beeskow und Storkow hinzu. In seinem Testament verfügte der kinderreiche Johann Georg wiederum eine Erbteilung des Landes, die nach seinem Tod jedoch verhindert wurde: Sein ältester Sohn Joachim Friedrich (1598-1608) bestimmte im Geraer Hausvertrag von 1598/99, dass das Kurfürstentum mit der Kurwürde sowie alle Erbanwartschaften ungeteilt auf den Erstgeborenen übergehen sollten. Außerdem verbot der Kurfürst im Einvernehmen mit den Ständen die Einführung des Calvinismus in Brandenburg. Mit dem Ziel größerer Unabhängigkeit von den Ständen schuf Joachim Friedrich 1604 den Geheimen Rat als oberstes, nur ihm verantwortliches Regierungsinstrument zur Steuerung der expansiven Territorialpolitik und zur Sicherung der Erbanwartschaften des Kurfürstentums.

5.1. Brandenburg im Kräftefeld europäischer Politik

Bereits unter Joachim Friedrichs Sohn, Kurfürst Johann Sigismund (1608-1619), trat 1609 in Jülich ein solcher Erbfall ein. 1613 wohl aus politischen Gründen zum Calvinismus übergetreten, sicherte sich Johann Sigismund die Unterstützung Hollands im Jülich-Kleveschen Erbfolgestreit und erhielt im Vertrag von Xanten 1614 das Herzogtum Kleve mit den Grafschaften Mark und Ravensberg; 1618 kam das Herzogtum Preußen – ebenfalls eine Erbanwartschaft – als polnisches Lehen an Brandenburg. Mit diesen Neuerwerbungen geriet Brandenburg in den Mittelpunkt der europäischen Politik: Durch Kleve erweckte es das Interesse Frankreichs und Hollands, mit Preußen kamen Polen und Schweden ins Spiel. Dazu erfolgte diese territoriale Arrondierung gegen den Widerstand der Stände, deren „Gewinn” in neuen Steuern bestand; außerdem widerstrebte den lutherischen Ständen eine Verquickung mit dem konfessionell gemischten Kleve und dem vom katholischen Polen abhängigen Preußen. Gegen die von Joachim Sigismund 1614 verordnete „reformierte Reformation” (Calvinismus) erhoben sich Stände und Bevölkerung Brandenburgs vergeblich: Seit 1614 wurden in den Kirchenrat, in den Geheimen Rat sowie an die Universität Frankfurt ausschließlich Calvinisten berufen.

5.2. Brandenburg im Dreißigjährigen Krieg

Mit calvinistisch-lutherischen Religionsstreitigkeiten, die in mehreren Unruhen gipfelten und den Dualismus zwischen Zentralgewalt und Ständen zusätzlich aufheizten, trat Kurfürst Georg Wilhelm (1619-1640) ein schweres Erbe an.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde Brandenburg insbesondere von Wallensteins Truppen verwüstet und durch die Rekrutierungen und Plünderungen auch des schwedischen Heers unter Gustav II. Adolf und Oxenstierna geradezu ausgeblutet; der Krieg dezimierte die Bevölkerung des Landes um fast die Hälfte.

Beraten von seinem leitenden Minister Graf Adam von Schwarzenberg, einem Österreicher und Katholiken, und ohne ein schlagkräftiges Heer (die Stände verweigerten dessen Finanzierung) wechselte der calvinistische Georg Wilhelm mehrmals die Fronten, um weder beim Kaiser, noch bei Schweden, der Pfalz und Polen anzustoßen. Die unentschiedene Schaukelpolitik des sowohl mit Gustav II. Adolf von Schweden als auch Friedrich V. von der Pfalz verschwägerten Georg Wilhelm und die fehlende Unterstützung seitens der Stände machten Brandenburg von 1625 bis 1641 zu einem der Hauptkriegsschauplätze.

6. Der Große Kurfürst

Im Westfälischen Frieden von 1648 erhielt Brandenburg die Bistümer Halberstadt, Cammin und Minden sowie Hinterpommern. Georg Wilhelms Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, leitete mit der Errichtung eines absolutistischen Staatswesens den Aufstieg Brandenburg-Preußens zur europäischen Großmacht ein. Im Landtagsabschied von 1653 rang er den Ständen umfangreiche Steuerbewilligungen zur Finanzierung eines stehenden Heeres ab und räumte insbesondere dem Adel Privilegien ein, die die märkischen Junker auf ihren Rittergütern zu „Kleinkönigen” machten. 1660 erhielt er nach dem 1. Nordischen Krieg schließlich die Oberhoheit über Preußen und besiegte in der Schlacht von Fehrbellin 1675 die schwedische Armee. Mit diesem Sieg über das stärkste europäische Heer begann die preußisch-deutsche Militärtradition. Sein Edikt von Potsdam 1685 ließ etwa 20 000 französische Hugenotten (Réfugiés) nach Brandenburg einwandern, die erheblich zur Ausbildung eines modernen Gewerbewesens, vor allem in der Textilmanufaktur, beitrugen; die auf Peuplierung (Bevölkerungsvermehrung) im weithin entvölkerten Land abzielende Einwanderungspolitik Friedrich Wilhelms begründete die bis Ende des 19. Jahrhunderts wirkende preußische Tradition der Binnenkolonisation.

1701 krönte sich Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg, Friedrich Wilhelms Sohn, als Friedrich I. zum König in Preußen. Bis zum 2. Weltkrieg ging die Geschichte Brandenburgs nun in der Geschichte Preußens auf.

7. Brandenburg als preußische Provinz

Nach den Napoleonischen Kriegen wurde Brandenburg, die größte preußische Provinz, neu geordnet: Die Altmark ging an Sachsen, der nordöstliche Teil der Neumark an Pommern, die Niederlausitz sowie kleinere sächsische Gebiete kamen zu Brandenburg. Mit der Industrialisierung Berlins verloren Potsdam und Brandenburg zunehmend an Bedeutung; seit Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Berlin zur Metropole und wurde 1920 mit den umliegenden Gemeinden als „Groß-Berlin” aus Brandenburg ausgegliedert. Im 2. Weltkrieg wurden viele brandenburgische Städte – darunter Frankfurt (Oder), Prenzlau, Fürstenwalde – fast völlig zerstört.

8. Brandenburg nach dem 2. Weltkrieg

1945 kam gemäß dem Potsdamer Abkommen die östlich der Oder-Neiße-Linie liegende Neumark unter polnische Verwaltung; das übrige Gebiet gehörte zunächst als „Provinz”, seit 1947 als „Land Brandenburg” zur Sowjetischen Besatzungszone. 1952 wurde es – wie alle Länder der Deutschen Demokratischen Republik – wieder aufgelöst und in die Bezirke Cottbus, Potsdam und Frankfurt (Oder) aufgeteilt. Diese wurden mit dem Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland 1990 mit der Hauptstadt Potsdam, aber ohne Berlin, wieder zum Land Brandenburg zusammengefasst. Der Deutsch-Polnische Grenzvertrag vom 14. November 1990 überließ Polen das östlich der Oder-Neiße-Linie liegende ehemals brandenburgische Gebiet endgültig.

Nach den Landtagswahlen vom Oktober 1990, aus denen die SPD mit 38,2 Prozent der Stimmen als stärkste Kraft hervorgegangen war, einigten sich SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen auf die Bildung einer Regierungskoalition unter Ministerpräsident Manfred Stolpe. Bei den Landtagswahlen vom September 1994 erreichte die SPD mit 54,1 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit und konnte nun ohne Koalitionspartner regieren; Ministerpräsident blieb Stolpe. 1996 wurden in Berlin und in Brandenburg Volksabstimmungen über die geplante Fusion der beiden Bundesländer durchgeführt. Während die beiden Landesregierungen und die Berliner Bürger das Projekt befürworteten, sprach sich die Bevölkerung Brandenburgs gegen die Vereinigung aus.

Nach anhaltenden Regenfällen überflutete die Oder im Juli/August 1997 weite Teile der Tschechischen Republik und Polens und schließlich auch Brandenburgs, insbesondere das Oderbruch und die Ziltendorfer Niederung. Die brandenburgische Regierung bezifferte im September 1997 den Gesamtschaden auf über 600 Millionen DM.

Bei den Landtagswahlen vom September 1999 verzeichnete die SPD deutliche Verluste, blieb aber mit einem Stimmenanteil von 39,3 Prozent stärkste Partei vor der CDU. Wieder auf einen Regierungspartner angewiesen, bildete die SPD eine große Koalition mit der CDU. Ministerpräsident Stolpe wurde im Amt bestätigt.

Nach knapp zwölf Jahren im Amt erklärte Stolpe am 22. Juni 2002 seinen Rücktritt als Ministerpräsident. Zu seinem Nachfolger wählte der brandenburgische Landtag den SPD-Landesvorsitzenden und Potsdamer Oberbürgermeister Matthias Platzeck.

Die Landtagswahlen vom September 2004 brachten den Parteien der großen Koalition jeweils mehr als 7 Prozentpunkte Verlust: Die SPD blieb mit 31,9 Prozent der Stimmen stärkste Partei, während die CDU mit 19,4 Prozent auf Platz drei hinter der PDS (28 Prozent) rutschte. Der rechtsgerichteten DVU gelang – sogar mit leichten Zugewinnen gegenüber 1999 – zum ersten Mal in ihrer Geschichte der Wiedereinzug in ein Parlament, während FDP und Grüne an der Fünfprozenthürde scheiterten. Nach kurzen und erfolglosen Sondierungsgesprächen mit der PDS einigte sich die SPD mit der CDU auf eine Fortführung ihrer Koalitionsregierung; Platzeck wurde im Amt des Ministerpräsidenten bestätigt.