Erziehung
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Erziehung
1. Einleitung

Erziehung, soziale Interaktion zwischen Menschen mit dem Ziel, zu Erziehende (zumeist Kinder und Jugendliche) an gültige gesellschaftliche Normen und Wertvorstellungen heranzuführen (Sozialisation) und vor allem auch unerwünschtes Verhalten zu unterbinden. Erziehung zielt somit immer auf Verhaltensregulierung, die gewährleisten soll, dass sich das Individuum in seinem gesellschaftlichen Bezugssystem sicher bewegt. Nach modernem Verständnis beinhaltet Erziehung deshalb auch, eine freie und unabhängige Persönlichkeit herauszubilden.

Nach einer im Kindes- und Jugendalter notwendigen Phase der Erziehung werden im weiteren Lebenslauf Erziehungsmaßnahmen zunehmend überflüssig. Normen und Wertvorstellungen und somit auch die Erziehungsideale unterliegen dem Wandel des Zeitgeistes: Zu einer Pervertierung von „Erziehungsidealen” kam es während des Nationalsozialismus, weil neben der Forderung absoluten Gehorsams u. a. die Verweigerung menschlicher Wärme propagiert wurde, um einer „Verweichlichung” des Kindes entgegenzuwirken. Aber auch in demokratischen Gesellschaften übt der Erziehende gegebenenfalls Macht über das Objekt seiner Bemühungen aus, was seit den sechziger Jahren zur Formulierung einer psychoanalytisch begründeten Theorie der Antipädagogik führte, wie sie etwa von Ivan Illich, E. von Braunmühl und Alice Miller formuliert wurde.

Man unterscheidet zwischen gewollten und unbeabsichtigten Erziehungswirkungen sowie zwischen verschiedenen Erziehungsinstanzen, die neben Schule und Familie auch das weitere gesellschaftliche Umfeld umfassen. Diese Sozialisationsinstanzen (z. B. die Kirche, siehe religiöse Erziehung) nehmen Einfluss auf erzieherische Grundvorstellungen wie auch auf die konkrete Ausgestaltung derselben.

Planvolles und zielgerichtetes Erziehen eines jungen Menschen berücksichtigt im Idealfall vor allem persönliche Eigenarten des zu Erziehenden und fördert die Entfaltung seiner Fähigkeiten. Dieser Sozialisationsprozess findet in der Familie und innerhalb des staatlichen Bildungswesens statt und wird von vielen Umweltfaktoren beeinflusst. Erziehungsziel ist neben der sozialen Eingliederung auch die Entwicklung von Kritik- und Konfliktfähigkeit sowie die Fähigkeit, kreativ an gesellschaftlichem Handeln teilzunehmen. Alle Erziehungsmodelle sind einer ständigen Überprüfung durch prozessuale Veränderungen gesellschaftlicher Konventionen unterworfen. Erziehung im engeren Sinne umfasst drei Aufgaben: 1. Festlegung der Erziehungsziele, 2. Bereitstellen von Lernmöglichkeiten und 3. Bewertung und Kontrolle des Lernfortschritts (siehe Bildung).