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| 2. | Geschichte der Erziehung |
Erziehung als Heranführen der Kinder an die Werte und die Kultur der Erwachsenenwelt gibt es sicher schon seit der Frühgeschichte der Menschheit, etwa durch religiöse Initiationsriten. Erziehung als organisierte Vermittlung von Bildungsinhalten ist seit der Antike bekannt, in der durch mündliche Überlieferung und Privatunterricht Kinder meist reicher Familien u. a. in Philosophie, Wissenschaft und Staatslehre unterrichtet wurden. Berühmt wurden die als Erziehungsmethode durch Platon vermittelten „Dialoge” des griechischen Philosophen Sokrates, der durch gezielte Fragen seine (erwachsenen) Schüler zu neuen Erkenntnissen führen wollte. Eine Gegenbewegung zu dieser auf die Ausbildung von „Tugend” ausgerichteten Methode war das Verfahren einer „eristischen Dialektik” durch die Sophisten.
Während des Mittelalters spielte in Europa die Kindererziehung keine eigenständige Rolle. Erst während der Renaissance, der Aufklärung und besonders im Biedermeier des 19. Jahrhunderts erlangten Kindheit und Erziehung wieder einen neuen Stellenwert. In dieser Epoche entwickelte sich auch das Ideal der „Allgemeinbildung”. Diese Ansätze des frühen 19. Jahrhunderts stellen – neben Arbeiten einiger weniger Vordenker wie Johann Amos Comenius – die Grundlagen zur Formulierung von gesellschaftlich bedeutsamen Erziehungszielen dar. Seit dieser Zeit spielen auch Schulen als weithin verfügbare und unter staatlicher Aufsicht stehende Bildungsinstitutionen die wichtigste Rolle (siehe Schulpflicht). Der Erziehungs- bzw. Bildungsroman des 19. Jahrhunderts stellte mit literarischen Mitteln die damaligen Erziehungsmodelle oder -programme exemplarisch dar.
Die Erziehungswissenschaft, ein Teilbereich der Pädagogik, untersucht empirisch die Erziehungsprozesse. Erziehungstheoretiker wie Fröbel oder Pestalozzi setzten auf die (durch geeignete pädagogische Maßnahmen zu fördernde) kindliche Einsicht in das sittlich Gute. Daran anknüpfend entwickelten sich reformpädagogische Bewegungen, darunter die musisch orientierte Waldorf-Pädagogik und die Theorien der italienischen Ärztin Maria Montessori (siehe Montessori-Pädagogik).