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Gustaf Gründgens (1899-1963), Schauspieler und Regisseur. Er war eine der schillernsten und umstrittensten Theatergestalten der dreißiger bis fünfziger Jahre. Gründgens wurde am 22. Dezember 1899 in Düsseldorf geboren. Zwischen 1923 und 1928 war er bei den Hamburger Kammerspielen tätig, wo er mit ersten Regiearbeiten, namentlich mit Inszenierungen von Operetten Jacques Offenbachs, brillierte. Während dieser Zeit arbeitete er u. a. mit der Tochter von Frank Wedekind, Pamela, sowie mit Klaus und Erika Mann zusammen. (Mit Letzterer war er von 1925 bis 1928 verheiratet). Nach 1928 gehörte Gründgens bis 1932 zum Ensemble des Deutschen Theaters in Berlin. 1934 wurde er Intendant, 1937 dann Generalintendant des dortigen Preußischen Staatstheaters. In dieser Zeit entstanden Aufführungen von Shakespeares King Lear, Goethes Faust, Lessings Emilia Galotti und Büchners Dantons Tod. Gründgens selbst spielte den Julius Caesar, den Hamlet und Richard II. (Shakespeare) sowie Fiesco und Franz Moor (Schiller). Wegen seiner Karriere während der Zeit des Nationalsozialismus, die Klaus Mann in seinem Künstlerroman Mephisto (1936) verarbeitete, verbrachte Gründgens nach dem 2. Weltkrieg neun Monate in Internierungshaft. 1947 wurde er zum Direktor der Städtischen Bühnen Düsseldorf berufen (Inszenierungen von Cocteau, Eliot, Sartre und Wolfe), ab 1955 leitete er als Generalintendant das Hamburger Schauspielhaus. Hier brachte Gründgens 1959 die Uraufführung von Bertolt Brechts Die heilige Johanna der Schlachthöfe mit Caspar Neher auf die Bühne. (Ein Jahr zuvor hatte er in Salzburg Verdis Don Carlos inszeniert.) 1963 legte er sein Amt nieder. Herausragende Bühnenrollen bekleidete Gründgens außerdem in Ödipus von Sophokles, Der Marquis von Keith von Frank Wedekind und Der Snob von Carl Sternheim. Der Schauspieler starb am 7. Oktober 1963 während einer Weltreise in Manila.
Als Theaterregisseur war Gründgens absoluter Werktreue verpflichet. Als Filmregisseur tat er sich u. a. in Der Schritt vom Wege (1939) hervor, wo er neben seiner Ehefrau Marianne Hoppe, mit der er von 1936 bis 1946 verheiratet war, eine Hauptrolle übernahm. 1941 wurde Gründgens verpflichtet, in dem Propagandafilm Ohm Krüger mitzuwirken. Weitere Filmrollen übernahm er in Fritz Langs Meisterwerk M – eine Stadt sucht einen Mörder (1931) und in Friedemann Bach (1941). Seine 1960 verfilmte Theaterinszenierung von Goethes Faust (1957) mit ihm als Mephisto ist noch heute häufig bei Matinéevorstellungen in Programmkinos zu sehen.