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| 3. | Denkrichtungen und Methoden |
Regeln und Prinzipien zur Beschreibung literarischer Zeugnisse gab es schon im antiken Griechenland. Aristoteles untersuchte in seiner Poetik (335 v. Chr.) Elemente, Aufbau und Wirkungsweisen der Tragödie und des Epos. In Athen, Alexandria, Pergamon und (später) in Rom entstanden gelehrte Kommentare zu den klassischen Autoren und zu Werken der Zeit. Im Mittelalter wurden die antiken Schulautoren nach den Grundgedanken des Trivium (Rhetorik, Grammatik, Dialektik – siehe Artes liberales) ausgewertet. Eine neue Blütezeit begann mit der von Petrarca und Boccaccio angeregten Philologie der Renaissance, die sich dem Übersetzen und Bearbeiten der griechischen Klassiker widmete.
Zur Zeit des Humanismus waren Konrad Celtis (in Deutschland), Julius Caesar Scaliger (in Frankreich) sowie Hugo Grotius und Daniel Heinsius (in den Niederlanden) bedeutende Vertreter. Im 17. Jahrhundert begründete Richard Bently die klassische Philologie im modernen Sinn. Für die literarische Gelehrsamkeit der deutschen Klassik war Johann Joachim Winckelmann der entscheidende Anreger, dessen Griechenlandstudien zum Neuhumanismus führten. Die klassische Philologie, d. h. die Beschäftigung mit den Autoren der antiken Welt, fand im 18. Jahrhundert in Friedrich August Wolf ihren Hauptvertreter. Seine Schrift Prolegma ad Homerum (1795) über die Entstehung der homerischen Epen hatte Einfluss auch auf die Literaturgeschichtsschreibung (etwa bezüglich der Frage zur Entstehung des Nibelungenlieds). Von romantischen Gedanken ausgehend, befassten sich Jacob und Wilhelm Grimm umfassend mit Sprache und Literatur (von der Märchensammlung über Sprachforschung bis hin zum 1838 begonnenen Deutschen Wörterbuch).
1842 verwendete der Kritiker des Jungen Deutschland Theodor Mundt in seiner Geschichte der Literatur der Gegenwart erstmals den Begriff der Literaturwissenschaft. Wenig später entwickelte der Altphilologe Karl Lachmann eine Systematik der Textkritik (siehe unten). Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden dann neben der klassischen Philologie die verschiedenen nationalen Philologien. Die Rolle einer grundlegenden und umfassenden Disziplin gab die Philologie an die Literaturwissenschaft ab.
Die positivistische Literaturwissenschaft des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts nahm sich die Naturwissenschaft zum Vorbild. Gegen deren kausalgenetische Erklärungsmuster setzte die geistesgeschichtliche Richtung einen Begriff des „Verstehens”, den Wilhelm Dilthey, orientiert an der Lebensphilosophie, 1905 in Das Erlebnis und die Dichtung darstellte. Im 20. Jahrhundert entstanden zahlreiche, zueinander in Konkurrenz tretende Modelle, die im folgenden schematisch dargestellt werden sollen: