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Mongolensturm, mongolische Eroberungszüge im 13. und 14. Jahrhundert, die das fast ganz Asien umspannende Mongolische Reich schufen.
Im Zuge der chinesischen Expansion waren mongolische Stämme über einen langen Zeitraum hinweg verdrängt worden. 1206 vereinte Temudjin verschiedene, zum Teil verfeindete mongolische Nomadenstämme und nahm den Titel Dschingis Khan („Weltherrscher”) an. Ausgangspunkt für die mongolische Expansion unter Temudjin war dessen Hauptstadt Karakorum. Unter seiner Führung wurden zunächst das Tangutenreich Xixia besiegt, dann fielen rund 200 000 Reiter in China ein, durchstießen die Chinesische Mauer und eroberten Peking. Anschließend wandte sich Dschingis Khan im Westen gegen den Machtbereich des Islam: Innerhalb von drei Jahren (1219-1221) wurde das Reich von Choresm besiegt.
Nach dem Tod Dschingis Khans (1227) wurde das Reich unter seinen Söhnen aufgeteilt; neuer Großkahn wurde Ögädäi (1229). Dieser setzte die Eroberung Chinas fort und begann 1236 mit der Unterwerfung der Wolga-Bulgaren und der Eroberung Russlands. 1240 fiel Kiew, doch das unzugängliche Nowgorod blieb verschont. Unter Batu Khan drangen die Mongolen weiter nach Westen, nach Osteuropa vor: Im April 1241 vernichteten sie bei Liegnitz ein polnisch-deutsches Heer, zwei Tage später bei Mohi ein ungarisches Heer. Der Tod Ögädäis im November 1241 veranlasste Batu Khan jedoch zum Abbruch seiner Offensive und bewahrte somit Europa vor weiteren Angriffen der Mongolen.
Neuer Großkhan wurde Kubilai, ein Enkel Dschingis Khans. Er vernichtete das chinesische Song-Reich, machte Peking zu seiner Hauptstadt und begründete die Yuan-Dynastie in China. Kubilai Khan war es auch, an dessen Hof Marco Polo bei seiner Reise nach China weilte. In Asien besetzten die Mongolen Tibet und Korea. 1274 und 1281 versuchten die Mongolen vergeblich, Japan zu erobern, wobei sie bei ihrem zweiten Versuch an einem Taifun scheiterten, den die Japaner Kamikaze (Götterwind) tauften. Die mongolischen Vorstöße in Südostasien waren ebenfalls wenig erfolgreich und dauerhaft.
Im Westen drangen die Mongolen unter Hülägü durch Persien bis nach Kleinasien vor und eroberten auf ihrem Vormarsch blühende muslimische Städte wie Isfahan, Bagdad und Damaskus. Allein den Mamelucken gelang es 1260, bei Ain Jalut in Palästina den Mongolensturm aufzuhalten und den Mythos mongolischer Unbesiegbarkeit zu zerstören. Die Hoffnungen christlicher Kreuzfahrer und sogar des Papstes auf ein antiislamisches Bündnis mit den Mongolen zerschlugen sich. Deren riesiges Reich gliederte sich nun in vier Khanate: das Ilkhanat mit Persien als seinem Zentrum, das Khanat der Goldenen Horde in Russland, das Tschaghatai-Khanat in Zentralasien und das Territorium des Großkhans, das China sowie das mongolische Kernland umfasste.
Auf ihren Kriegszügen gingen die Mongolen, die trotz ihrer enormen Truppenstärke pro Tag bis zu 100 Kilometer zurücklegten, oft mit äußerster Grausamkeit vor, d. h., sie setzten Terror gezielt als Kriegsmittel ein. Ihre militärische Schlagkraft verdankten sie hauptsächlich ihrer hohen Geschicklichkeit zu Pferde, ihrer Disziplin, ihrer guten Organisation und hohen Mobilität. Doch wussten sie sich auch die Kriegstechniken ihrer Gegner, namentlich der Chinesen, anzueignen, die ihnen die Einnahme von Städten erleichterten. Vermutlich hatten sie in China das Schwarzpulver kennen gelernt und setzten es jetzt militärisch ein. Darüber hinaus unterhielten die Mongolen ein ausgezeichnetes Kommunikationssystem (Kurierreiter). Besiegte Gegner wurden in das mongolische Heer eingegliedert, das auf diese Weise zahlenmäßig anwuchs, aber immer mehr zu einem Völkergemisch wurde. Wo die Mongolen zur Herrschaft gelangten, zeigten sie eine ausgeprägte religiöse Toleranz.
Politisch begann sich das bis dahin größte Reich der Geschichte bald in mehr oder weniger unabhängige Teilreiche zu zersetzen. In China formierte sich im 14. Jahrhundert zunehmender Widerstand gegen die mongolische Herrschaft, die mit dem Sturz der Yuan- durch die Ming-Dynastie 1368 endete. Schließlich konnten die Chinesen Anfang des 15. Jahrhunderts sogar das mongolische Machtzentrum Karakorum erobern.
Timur-i Läng (1336-1405), ein Herrscher türkischer Herkunft, betrachtete sich als Erneuerer des mongolischen Reiches. Von seiner Basis Samarkand aus unternahm er zahllose Kriegszüge: Er unterwarf Persien, stieß in das Gebiet der Goldenen Horde und nach Indien vor und besiegte die aufkommenden osmanischen Türken. Nach seinem Tod zerfiel das Timuridenreich rasch; allerdings konnte Timurs Nachfahre Babur in Nordindien die Moguldynastie errichten.
Die Goldene Horde, die ihr Machtzentrum in Sarai an der Wolga errichtet hatte, konnte sich vorübergehend mit der am Irtysch angesiedelten Weißen Horde zusammenschließen. Durch russische Angriffe und solche Timurs aus dem Süden geschwächt, zerfiel das Herrschaftsgebiet in die drei Teilkhanate Astrachan, Kasan und Krim, die sich noch für längere Zeit halten konnten (das Krim-Khanat bis 1783).