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| 3. | Umsturz |
Als die Seekriegsleitung selbständig den militärisch sinnlosen Befehl zum Einsatz der Hochseeflotte gegen England gab, begannen die Matrosen am 29. Oktober in Wilhelmshaven zu meutern. Es folgten in Kiel Demonstrationen und offener Aufruhr der Matrosen und Werftarbeiter. Am 4. November wurden hier die ersten Arbeiter- und Soldatenräte gewählt, die die öffentliche Gewalt in der Stadt übernahmen. Zwar gelang Gustav Noske (SPD) noch am gleichen Tag eine Beruhigung der Lage, doch sprang der revolutionäre Funke in die anderen Hafenstädte und dann in die Großstädte des Reiches über.
Am 7. November setzte Kurt Eisner (USPD) durch die Ausrufung der Republik und die Bildung einer revolutionären Regierung den bayerischen König Ludwig III. ab. In den folgenden Tagen stürzten in den übrigen Ländern die Throne ohne Gegenwehr. Die vollziehende Gewalt übernahmen die sich überall bildenden Arbeiter- und Soldatenräte. Wilhelm II. hatte sich, um einer Entscheidung zu entgehen, am 29. Oktober in das Hauptquartier der OHL nach Spa begeben. Um nicht den Einfluss auf die Arbeiterschaft zugunsten der radikalen Linken zu verlieren, drängte die SPD-Führung nun auf die Abdankung des Kaisers; die Monarchie wollte sie nicht abschaffen. General Groener verweigerte am 6. November die Ablösung Wilhelms II., am 7. November forderten die Sozialdemokraten sie ultimativ.
Ein in Berlin für den 11. November von den zum linken Flügel der USPD gehörenden revolutionären Obleuten anberaumter Generalstreik begann bereits am 9. November mit spontanen Ausständen. Die SPD trat jetzt aus der Reichsregierung aus. Um 12 Uhr erklärte Prinz Max von Baden, ohne eine Entscheidung des Kaisers abzuwarten, dessen Thronverzicht. Er trat zurück und übergab Friedrich Ebert (SPD) die Reichsregierung. Gegen Eberts Willen rief Philipp Scheidemann (SPD) um 14 Uhr die Republik aus. Damit kam er den radikalen sozialistischen Linksgruppen zuvor. Karl Liebknecht, der mit Rosa Luxemburg den zum linken Flügel der USPD gehörenden Spartakusbund führte, verkündete zwei Stunden später eine „freie sozialistische Republik”. Wilhelm II. trat, da er keinen Bürgerkrieg riskieren wollte, zurück und ging nach Holland ins Exil.