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| 4. | Frage der Staatsform |
Am 10. November bildeten SPD und USPD eine Regierung, den Rat der Volksbeauftragten; Liebknecht lehnte den Eintritt in diese Regierung ab. Zwischen SPD, USPD und Spartakusbund war umstritten, ob eine verfassunggebende Nationalversammlung oder die – in sich nicht einheitliche – Rätebewegung die Neuordnung des staatlichen Lebens in Deutschland bestimmen sollte. Starken Einfluss auf die extreme Linke übte dabei das russische Vorbild aus.
Eine durch die USPD einberufene Versammlung der Berliner Räte im Zirkus Busch sollte einen aus Unabhängigen und Spartakisten zusammengesetzten Vollzugsrat der Arbeiter- und Soldatenräte bilden, um die Kontrolle der Regierung zu übernehmen. Otto Wels (SPD) gelang mittels der Mobilisierung der Soldatenvertreter jedoch eine paritätische Besetzung dieses Vollzugsrats. Dessen Verhältnis zum Rat der Volksbeauftragten war durch ständigen Konflikt bestimmt; letztendlich konnte er sich nicht durchsetzen. Bezeichnend für den Vollzugsrat ist ein mit den Stimmen der SPD-Mitglieder gefasster, erfolgloser Beschluss vom 16. November. Danach war eine proletarische, auf sozialistischer Grundlage beruhende Republik zu errichten, in der die Staatsgewalt bei den Arbeiter- und Soldatenräten liegen sollte. Vom 16. bis 21. Dezember tagte in Berlin ein Reichskongress der Arbeiter- und Soldatenräte, in dem die SPD die Mehrheit besaß. Er setzte Wahlen zu einer verfassunggebenden Nationalversammlung für den 19. Januar 1919 fest. An der Wahl eines „Zentralrats”, der bis dahin die Aufgaben dieses Kongresses wahrnehmen sollte, beteiligte sich die USPD nicht. Dies lief auf die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit der SPD hinaus.
Entscheidend für die nun folgenden Auseinandersetzungen wurde der am 10. November zwischen General Groener und Ebert geschlossene Pakt. Danach übernahm der Generalstab die Rückführung des Frontheeres in die Heimat sowie die Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ruhe. Im Gegenzug versprach die SPD-Führung dem Offizierskorps ihre Unterstützung bei der Wahrung der militärischen Disziplin. Am 16. Dezember verlangte Liebknecht vor einer riesigen Menschenmenge die Bildung einer roten Garde und die Absetzung der Regierung Ebert. Am 23. Dezember wurden der Berliner Stadtkommandant Otto Wels von der ursprünglich zum Schutz der Regierung bestimmten „Volksmarinedivision” gefangen gesetzt und die Reichskanzlei blockiert. Die aus Sozialdemokraten der verschiedenen Richtungen bestehende republikanische Soldatenwehr setzte sich gegen die nicht sehr kampfstarken Matrosen nicht durch. Zwar konnte Ebert einen Abzug des Verbands aus der Reichskanzlei erreichen, doch am nächsten Tag kam es zum Kampf zwischen der Volksmarinedivision und Feldtruppen. Auch die Heereseinheiten versagten trotz überlegener Bewaffnung und liefen schließlich auseinander. Wegen dieser Unbrauchbarkeit und Kriegsmüdigkeit des alten Heeres und der eigenen militärischen Schutzlosigkeit ging die Regierung unter Gustav Noske nun an die Organisation von Freiwilligenverbänden.
Nach dem Austritt der USPD aus der Regierung und der Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) am 1. Januar 1919 erhoben sich die Spartakisten vom 5. bis zum 12. Januar in Berlin. Mangels durchdachter strategischer Führung konnten sie ihre anfängliche Überlegenheit nicht ausnutzen, und Freikorpsverbände schlugen den Aufstand nieder. Dabei ereigneten sich zahlreiche Gewalttaten; am 15. Januar 1919 wurden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg von Freikorpssoldaten brutal ermordet. Die am 19. Januar gewählte Nationalversammlung trat in Weimar zusammen. Trotz weiterer bürgerkriegsähnlicher Unruhen gelang ihr die Verabschiedung einer demokratischen Verfassung (Weimarer Verfassung).