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Johannes Rau (1931-2006), Politiker (SPD), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen (1978-1998), Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland (1999-2004).
Johannes Rau wurde am 16. Januar 1931 als Sohn eines Evangelistenpredigers in Wuppertal-Barmen geboren. Nachdem er eine Buchhändlerlehre absolviert hatte, arbeitete er ab 1954 für einen theologischen Verlag und als Journalist. 1952 trat er der Gesamtdeutschen Volkspartei von Gustav Heinemann bei und folgte diesem 1957 in die SPD. 1958 wurde Rau Vorsitzender der Jungsozialisten von Wuppertal und Vorstandsmitglied des SPD-Unterbezirks, 1964 Stadtverordneter und 1969 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt. 1958 kam er in den nordrhein-westfälischen Landtag, 1967 wurde er Fraktionsvorsitzender der SPD, und 1970 übernahm er im Kabinett von Heinz Kühn das Ministerium für Wissenschaft und Forschung.
1977 wurde Rau zum SPD-Landesvorsitzenden in Nordrhein-Westfalen gewählt, und 1978 löste er Kühn im Amt des Ministerpräsidenten ab. Bei den Landtagswahlen von 1980 führte er die SPD erstmals zur absoluten Mehrheit in Nordrhein-Westfalen, was ihm auch stärkeres Gewicht innerhalb der Bundes-SPD einbrachte. Seit 1982 stellvertretender Parteivorsitzender der Bundes-SPD, wurde Rau 1987 als Kanzlerkandidat der SPD nominiert, zog sich jedoch nach seiner Wahlniederlage gegen den Amtsinhaber Helmut Kohl wieder aus der Bundespolitik zurück. 1994 unterlag er als populärster Bewerber um die Nachfolge von Richard von Weizsäcker im Amt des Bundespräsidenten unerwartet dem Kandidaten der CDU/CSU, Roman Herzog.
1995 verfehlte die SPD in Nordrhein-Westfalen erstmals unter Raus Ägide die absolute Mehrheit und regierte in der Folge in einer Koalition mit Bündnis 90/Die Grünen. Nach fast 20 Jahren an der Spitze des Landes Nordrhein-Westfalen trat Rau am 27. Mai 1998 zugunsten seines Parteifreundes Wolfgang Clement, des bisherigen nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministers und „ewigen Kronprinzen”, als Ministerpräsident zurück. Im Vorsitz der nordrhein-westfälischen SPD, den Rau ebenfalls aufgab, löste ihn der SPD-Bundesgeschäftsführer Franz Müntefering ab. Der Rücktritt des 67-jährigen Rau sollte im Vorfeld der Bundestagswahl vom September 1998 ein Bild der SPD als moderner, junger, nicht aufzuhaltender Partei vermitteln. Im November 1998 nominierte ihn die SPD erneut als ihren Kandidaten für die Wahl des Bundespräsidenten im Mai 1999.
Bei der Wahl des Bundespräsidenten am 23. Mai 1999 setzte sich Rau im zweiten Wahlgang gegen die Kandidatinnen der CDU, Dagmar Schipanski, und der PDS, Uta Ranke-Heinemann, durch; am 1. Juli 1999 trat er – als zweiter Sozialdemokrat nach Gustav Heinemann in der Geschichte der Bundesrepublik – in der Nachfolge von Roman Herzog das höchste deutsche Staatsamt an. In seiner Antrittsrede erklärte Rau, er wolle Sprachrohr der Minderheiten in Deutschland sein, und erteilte dem Nationalismus in allen seinen Facetten eine deutliche Absage. Zugleich mit seinem Amtsantritt zog er sich aus dem Präsidium der SPD zurück.
Anfang 2000 geriet Rau wegen der so genannten Flugaffäre in Nordrhein-Westfalen erheblich unter Druck: Ihm (und anderen Mitgliedern der nordrhein-westfälischen Landesregierung) wurde vorgeworfen, als Ministerpräsident Charterflugzeuge der landeseigenen WestLB auch zu außerdienstlichen Anlässen benutzt zu haben, ohne die Kosten dafür zu tragen, sich also einer unzulässigen Vorteilsannahme schuldig gemacht zu haben. Nach einigem Zögern räumte Rau sein Fehlverhalten ein; einen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten, wie er vor allem von Teilen der CDU gefordert wurde, lehnte er jedoch ab.
Eine seiner schwierigsten Entscheidungen als Bundespräsident war im Juni 2002 die Unterzeichnung des von der rotgrünen Regierung eingebrachten und vom Bundesrat in einer denkbar knappen und umstrittenen Abstimmung verabschiedeten Zuwanderungsgesetzes. Die Begründung seines Schrittes – er sei nicht der Auffassung, dass bei der Verabschiedung des Gesetzes zweifelsfrei und offenkundig ein Verfassungsbruch vorgelegen habe – verband er mit einer scharfen Kritik an den Vorgängen und den Beteiligten in jener Bundesratssitzung am 22. März 2002: Sie hätten dem Ansehen der Politik in Deutschland erheblich geschadet. Zugleich regte er an, über eine eventuelle Verfassungskorrektur nachzudenken, die den Bundesrat vor parteitaktischem Kalkül schützt und seinen Charakter als Vertretung der Länderinteressen stärkt. Das Bundesverfassungsgericht jedoch widersprach Raus Auffassung und erklärte im Dezember 2002 das Zuwanderungsgesetz aus formalen Gründen – eben weil die Abstimmung nicht verfassungskonform abgelaufen sei – für ungültig.
Rau hatte bereits im Mai 2003 bekannt gegeben, dass er für eine zweite Amtszeit als Präsident nicht zur Verfügung stehe. Nach dem Ende seiner fünfjährigen Amtszeit übergab er zum 1. Juli 2004 die Amtsgeschäfte an seinen gewählten Nachfolger Horst Köhler. Johannes Rau starb am 27. Januar 2006 in Berlin.