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| 2. | Verlauf und derzeitiger Stand der Schuldenkrise |
Der Begriff Schuldenkrise wird verstärkt seit dem August 1982 verwendet, als Mexiko seinen Kreditgebern (zumeist amerikanische Privatbanken) mitteilte, dass es seinen Schuldendienst aussetzen würde, d. h. seine Kreditschulden nicht mehr zurückzahlen könne. Vor allem die privaten Geschäftsbanken vergaben zunächst bevorzugt freigebig Kredite an die Schwellenländer Lateinamerikas. Deren große Rohstoffvorkommen nährten die Hoffnung der Banken, von dem zu erwartenden wirtschaftlichen Aufschwung profitieren zu können. Als die Banken erkannten, dass ihre Erwartungen sich nicht bestätigen würden, zogen sie sich jedoch mit einem Mal fast völlig aus dem Kreditgeschäft zurück. Damit stieg die Bedeutung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank, die zu Kreditgebern und Vermittlern zwischen Gläubigern und Schuldnern wurden. Mit nicht projektgebundenen Darlehen, die zur Unterstützung mittelfristig wirksamer Wirtschaftsprogramme dienen sollten, versuchte vor allem die Weltbank den Entwicklungs- und Schwellenländern Hilfe in der Schuldenkrise zukommen zu lassen. Diese von IWF und Weltbank vergebenen Darlehen waren allerdings mit wirtschaftspolitischen Auflagen verbunden, die das um Kredit nachfragende Land einhalten musste. Viele Entwicklungsländer werteten das als Versuch der Industrienationen, ihre staatliche Souveränität zu untergraben. Die Auflagenpolitik des IWF für eine Umschuldung lässt sich so beschreiben: Die Absichtserklärung des Kredit suchenden Landes legt dieses auf ein binnenwirtschaftliches Maßnahmenpaket fest, dessen Durchführung vom IWF überwacht und anhand von Leistungskriterien beurteilt wird. Für die Gläubiger bedeutet dies einerseits, dass eine relative Sicherheit über die künftige Wirtschaftpolitik des Landes besteht, andererseits garantiert das Gütesiegel des Fonds in der Regel die Rückzahlungsfähigkeit des Landes. Der IWF spielt in der Schuldenkrise also auch als Katalysator zwischen Schuldnern und Gläubigern eine Rolle.
Über die gesamte Höhe der Auslandsverschuldung liegen unterschiedliche Daten vor. Nach Angaben der Weltbank, die 114 Länder in ihre Analyse aufnahm, erhöhten sich die Verbindlichkeiten der betreffenden Staaten von 1981 bis 1991 von 750 Milliarden auf 1 400 Milliarden US-Dollar. Die auf 138 Länder bezogenen Zahlen des IWF weisen zwischen 1981 und 1991 eine Steigerung von 732 Milliarden auf 1 470 Milliarden US-Dollar auf. Bei einer Steigerungsrate von etwa sieben Prozent pro Jahr ergab sich demnach innerhalb von zehn Jahren nahezu eine Verdoppelung der Auslandsschulden.
Nach Angaben des IWF lagen die Schulden der Entwicklungsländer 1987 bei 1 157 Milliarden US-Dollar und sind auf (geschätzte) 1 934 Milliarden US-Dollar im Jahr 1996 angewachsen.
Zu Beginn des Jahres 1995 lag in der Rangliste der größten Schuldner (ohne die USA und Russland) Mexiko vor China, Indonesien, Brasilien und Indien. Neben der absoluten Höhe der Verschuldung ist jedoch auch von Bedeutung, wie hoch die Auslandsverbindlichkeiten im Vergleich zur Wirtschaftsleistung eines Landes sind. Damit lässt sich nämlich das Potential zur Schuldenrückzahlung errechnen. So bietet die Relation von Auslandsverbindlichkeiten zum Bruttosozialprodukt eine wichtige Größe zur Ermittlung des Schuldenstandes der Entwicklungs- und Schwellenländer. Dieser Wert lag 1984 laut Weltbank in 18 von insgesamt 90 Staaten sogar bei über 100 Prozent, was bedeutet, dass die Auslandsschulden die Höhe des Bruttosozialprodukts überschritten hatten. Nach diesem Indikator sind neben den lateinamerikanischen Staaten vor allem die wirtschaftlich schwachen Länder Afrikas südlich der Sahara von der Schuldenkrise betroffen. Ende der neunziger Jahre kostete der Schuldendienst die verschuldeten Länder Schwarzafrikas jährlich viermal so viel, wie die Gesamtsumme der Gesundheits- und Erziehungsbudgets dieser Länder betrug.