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Syntax
1. Einleitung

Syntax (auch Satzlehre; griechisch sýntaxis: Zusammenstellung, Anordnung), Teilbereich der Semiotik im Allgemeinen und der Sprachwissenschaft im Besonderen, der sich mit der Beschreibung und Analyse des Aufbaus von Sätzen aus kleineren Einheiten beschäftigt (Syntaxtheorie). Bisweilen wird der Begriff auch als Bezeichnung für den Aufbau selbst gebraucht, z. B. spricht man von der „Syntax eines Satzes bzw. einer Konstruktion”.

2. Einordnung

Insofern sich die Sprachwissenschaft mit sprachlichen Zeichen beschäftigt, muss sie als Teilgebiet der Semiotik gelten, welche sich mit Zeichen im Allgemeinen beschäftigt. Während die Semiotik daher bei der Untersuchung der Beziehungen von Zeichen untereinander das Teilgebiet der Syntax kennt, gilt dies analog für die Sprachwissenschaft, welche diese Beziehungen speziell bei sprachlichen Zeichen in natürlichen Sprachen betrachtet.

Dabei lässt sich die Syntax (Beziehungen von Zeichen untereinander) sowohl von der Semantik (Beziehung des Zeichens zur außersprachlichen Wirklichkeit: Bedeutung) als auch von der Pragmatik (Beziehung des Zeichens zum Sprecher/Hörer: Verwendung) abgrenzen. Oft fasst man Syntax und Morphologie verkürzend zu Grammatik zusammen, was bei genauer Betrachtung jedoch problematisch ist, da auch andere regelhafte Bereiche wie etwa die Phonologie als Lautlehre hierzu gerechnet werden müssten. Im Folgenden wird Syntax innerhalb der Sprachwissenschaft als die Lehre von der Bildung und des Aufbaus von Sätzen behandelt.

3. Geschichte

Die Anfänge der Beschäftigung mit syntaktischen Fragestellungen finden sich bereits in der Antike, z. B. bei Platon und Aristoteles, wenn auch mit anderer Zielsetzung als in der heutigen Syntaxforschung. Vereinfachend kann man sagen, dass Syntax – der Begriff taucht vermutlich erstmals explizit bei Dionysios Thrax auf – zunächst eine logisch-semantische Methode bieten sollte, um die Bildung von wahren Aussagen zu gewährleisten. Später wurde sie zur Beschreibungsmethode innerhalb der Philologie, wobei bereits Phänomene wie Kongruenz und Rektion thematisiert wurden. Bis in das 20. Jahrhundert bewegte sich die Syntaxforschung in diesem Spannungsfeld von Semantik und Empirie. Erst die Begründung der modernen strukturalistischen Sprachwissenschaft führte zur Ausbildung von Syntaxtheorie als eigenständigem Bereich. Heute wird Syntaxtheorie nicht selten als der zentrale Bereich innerhalb der Linguistik gesehen, der Ausgangspunkt für jede umfassende Sprachtheorie sein muss.

4. Methoden

So trivial die Frage nach den Bausteinen eines Satzes klingt, so wichtig ist es, für ihre Beantwortung auf streng wissenschaftliche Methoden zurückzugreifen. Dass Sätze aus Wörtern bestehen, ist somit nur in einem bestimmten Sinn richtig. Vielmehr muss angenommen werden, dass Wörter nicht die unmittelbaren Bausteine von Sätzen sind. Zwei Leitgedanken der Analyse hatten dabei großen Einfluss auf die Theoriebildung.

1. Konstituenz

Mit Hilfe operationaler Verfahren gelingt es zu zeigen, dass Wörter zu größeren Einheiten (Konstituenten) zusammengefasst sind, die nach bestimmten Regeln hierarchisch aufgebaut sind. Zu diesen Verfahren zählen etwa die Verschiebeprobe und die Ersatzprobe. Ein Satz wie „Der Bauer melkt die Kuh.” besteht demnach unmittelbar aus den Konstituenten „Der Bauer” und „melkt die Kuh”, da jede dieser Konstituenten z. B. als Einheit ersetzt werden kann, „Der Bauer” etwa durch das Pronomen „Er” und „melkt die Kuh” durch „schläft”. Ebenso besteht „melkt die Kuh” aus dem Verb „melkt” und der Nominalphrase „die Kuh”. Wörter sind somit nicht die unmittelbaren Bausteine des Satzes. Auch syntaktische Prozesse betreffen nach dieser Auffassung stets Konstituenten, auch wenn eine Konstituente lediglich aus einem Wort bestehen sollte.

2. Dependenz

Zudem gibt es Bausteine, die eine zentralere Funktion ausüben und die Anwesenheit bzw. Form anderer Bausteine bestimmen. So wird in den meisten Ansätzen das Verb als Zentrum des Satzes gesehen. Solche Strukturen, die aus einer zentraleren Komponente und anderen von ihr abhängigen Elementen bestehen, werden nach Bloomfield als endozentrische Strukturen bezeichnet.

In einem Satz wie „Peter schenkt Petra ein Buch.” ist es z. B. nicht möglich, eines der drei Argumente (Peter, Petra, Das Buch) wegzulassen, da das dreiwertige Verb „schenken” diese als obligatorische Ergänzungen erfordert (siehe Valenz). Eine andere Art von Abhängigkeit wird traditionell als Rektion bezeichnet. Der Kasus (Akkusativ) des Objektes (ein Buch) wird vom Verb (schenken) bestimmt. Man sagt, dass das Verb den Kasus des Objektes regiert. Diese Prinzipien der Konstituenz und der Dependenz finden sich mit unterschiedlich starker Gewichtung in nahezu allen heutigen Syntaxtheorien.

5. Theoretische Ansätze

Von den heutigen Ansätzen innerhalb der Beschäftigung mit Syntax stehen zwei Theorien im Vordergrund, die sich sowohl in ihren Grundannahmen als auch in ihrer Methodik unterscheiden.

1. Generative Syntax

Diese von dem amerikanischen Linguisten Noam Chomsky in den fünfziger Jahren begründete Richtung gilt heute unter Berücksichtigung aller von ihr irgendwie beeinflussten bzw. abgeleiteten Theorien als das weltweit einflussreichste Gebiet der Syntaxforschung. Obwohl die ursprünglichen Annahmen Gegenstand von ständiger Revision waren, muss die Entwicklung der generativen Syntax wissenschaftsgeschichtlich als Erfolg gewertet werden. Bei diesem Ansatz wird Syntax als für die Linguistik so zentral verstanden, dass man von generativer Grammatik spricht. Zur Grundüberzeugung zählt, dass es angeborene Prinzipien gibt, die je nach Sprache unterschiedlich parametrisiert sein können. Dieses Zusammenspiel von Prinzipien und Parametern zu klären ist Aufgabe der Syntaxforschung.

2. Funktionale Syntax

Im Gegensatz zur generativen Syntax gehen die Anhänger einer funktionalen Syntax davon aus, dass es keine angeborenen Regeln gibt bzw. dass solche Regeln ihre Begründung in der Funktion von Sprache als Medium der sozialen Interaktion haben. Dabei wird Sprache nicht als grundsätzlich verschieden von anderen kognitiven Bereichen gesehen, wie das in der generativen Grammatik der Fall ist. Methodisch ist hier vor allem die in den sechziger Jahren von J. Greenberg entwickelte syntaktische Typologie zu nennen, die die statistische Auswertung von Daten aus einer Vielzahl von Sprachen begründet hat.