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Robert Wiene

Robert Wiene (1873-1938), Filmregisseur, ein Vertreter des Expressionismus. Mit Das Kabinett des Dr. Caligari (1919) drehte er den berühmtesten deutschen Stummfilm überhaupt.

Wiene wurde vermutlich im Frühjahr 1873 in Breslau geboren (als widerlegt gilt das Geburtsdatum 16. November 1880 und der Geburtsort Dresden). Aufsehen erregte sein 1919 gedrehter Stummfilm Das Kabinett des Dr. Caligari (mit Conrad Veidt und Werner Krauss), der Elemente des Theaters und der Malerei des Expressionismus auf die neue kinematographische Kunstform zu übertragen suchte. Dementsprechend arbeitete Wiene mit gemalten Kulissen und stürzenden, abstrahiert-irritierenden Bauten, um die abgefilmte Außenwelt als Spiegel der inneren Zerrissenheit seiner Figuren erscheinen zu lassen. Auch seinem Inhalt nach gibt sich der Film expressionistisch: Erzählt wird die Geschichte des dämonischen Hypnotiseurs Caligari, der ein somnambules Medium dazu verführt, mehrere Morde zu begehen. Die Nachforschungen eines Studenten ergeben, dass der Schausteller zugleich Direktor einer Irrenanstalt ist und seine Patienten für seine Verbrechen benutzt. Willenlosigkeit und Machtmissbrauch, Genie und Wahnsinn werden in einer der Bewegung typischen Art und Weise thematisiert.

Nach Das Kabinett des Dr. Caligari drehte Wiene noch zahlreiche expressionistische Stummfilme, darunter Genuine (1920), Raskolnikow (1923, nach dem Roman Schuld und Sühne von Fjodor M. Dostojewskij), I.N.R.I. (1923) und Orlacs Hände (1924), letzterer ein phantastisches Meisterwerk über einen Pianisten, der, nachdem man ihm die Hände eines Mörders transplantiert hat, gegen seinen Willen selbst zum Mörder wird. Mit Der Rosenkavalier, für den Wiene über 10 000 Statisten mobilisierte und bei dessen umjubelter Uraufführung in der Dresdener Staatsoper am 10. Januar 1926 Richard Strauss selbst am Dirigentenpult stand, wandte sich der Regisseur dem leichteren Unterhaltungsfilm zu. 1930 entstand Der Andere (mit Fritz Kortner und Heinrich George), ein sehenswerter Tonfilm über einen schizophrenen Staatsanwalt, der sich, um seine dunkle Existenz als Verbrecher zu überwinden, selbst bekämpfen muss. Eher süßlich-konventionell hingegen geriet Wienes Operettenverfilmung Eine Nacht in Venedig von 1933.

1933/1934 drehte Wiene seinen letzten Film, Taifun (auch Polizeiakte 909). Dann musste er vor den Nationalsozialisten ins Ausland fliehen. Er starb am 17. Juli 1938 in Paris.