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Textlinguistik

Textlinguistik, Teilgebiet der Linguistik, das sich mit satzübergreifenden sprachlichen Äußerungen, d. h. mit Texten, befasst. Die Textlinguistik entwickelte sich in den sechziger Jahren, wobei sie wichtige Impulse vom Strukturalismus erhielt und zahlreiche Ansätze aus anderen Disziplinen, die sich mit Sprache befassen, aufgenommen hat, etwa der Stilistik und Rhetorik. Ihre Leistung als Forschungsdisziplin besteht darin, dass sie die auf Satz und Satzteile bezogene Methodik der Linguistik zugunsten einer interdisziplinären Textwissenschaft aufgab. Die Textlinguistik fragt danach, welche Kriterien eine Folge von Sätzen erfüllen muss, um als Text angesehen werden zu können. Ein Text wird dabei definiert als „kommunikative, illokutive und thematische sprachliche Einheit” (Rosengren). Die Art und Weise der Verknüpfung der Sätze zu einem Text wird als Textkonstitution oder Textualität bezeichnet. In der Regel werden sieben Kriterien genannt, nach welchen Texte bei der Frage nach ihrer Textualität überprüft werden können:

1. Kohäsion. Die Verknüpfung erfolgt durch grammatische Mittel.

2. Kohärenz. Die Verknüpfung der Sätze erfolgt durch den Sinnzusammenhang.

3. Intentionalität als Absicht des Textproduzenten, einen kohärenten und kohäsiven Text zu schreiben.

4. Akzeptabilität als Absicht des Textrezipienten, den Text verstehen zu wollen.

5. Informativität als ein bestimmtes Maß an bekannten bzw. unbekannten Elementen des Textes.

6. Situationalität: Faktoren, die einen Text für die Gesprächssituation relevant machen.

7. Intertextualität: Faktoren, die das Verständnis eines Textes von der Kenntnis anderer Texte abhängig machen.

In der linguistischen Forschung sind nicht alle sieben Kriterien unumstritten. Am wichtigsten ist das Kriterium der Kohärenz, das auch allein das Vorliegen eines Textes begründen kann. In der textlinguistischen Theorie werden nicht Beziehungen zwischen Sätzen, sondern zwischen Propositionen (Bedeutungsgehalt der Sätze) betrachtet. Die Verknüpfungsmodi der Propositionen werden als Mikrostrukturen bezeichnet. Auf der Ebene der globalen Textbedeutung des Gesamttextes erscheinen die Verknüpfungen als Makrostruktur. Die Makrostruktur enthält folglich das Textthema.

Im Rahmen der Texttypologie, einem Teilbereich der Textlinguistik, werden nach textinternen (Kohäsion) und textexternen (situative Angemessenheit) Kriterien unterschiedliche Textklassen gebildet: Die Klassifikation erfolgt nach der Funktion (literarischer Text, Gebrauchstext, rhetorischer Text, Informationstext), nach pragmatischen Gesichtspunkten (schriftlicher oder mündlicher Text, Brief, Gespräch usw.), nach der thematischen Ausrichtung (erzählender, beschreibender, analysierender Text) und nach den Textsorten im engen Sinn (Rundfunkkommentare, Wetterbericht, Kochrezepte).