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| 1. | Einleitung |
Sachsen-Anhalt, Bundesland im Osten der Bundesrepublik Deutschland, grenzt im Nordosten und Osten an Brandenburg, im Südosten an Sachsen, im Südwesten an Thüringen und im Westen und Nordwesten an Niedersachsen. Hauptstadt des Landes ist Magdeburg, weitere große Städte sind Dessau-Roßlau und Halle (Saale).
| 2. | Land |
Das Bundesland Sachsen-Anhalt hat eine Fläche von 20 445 Quadratkilometern; es reicht vom Norddeutschen Tiefland bis an die deutsche Mittelgebirgsschwelle und erstreckt sich zu beiden Seiten der mittleren Elbe. Im Norden des Bundeslandes liegt die Altmark, eine teils ebene, teils flachwellige Landschaft mit (Alt-)Moränen der Saale-Eiszeit und ausgedehnten Niederungen. Die Hellberger Höhen im Süden der Altmark sind bis zu 160 Meter hoch. Südlich dieses Moränenzuges liegt die (Colbitz-)Letzlinger Heide.
Südlich des Mittellandkanals bzw. südlich des Elbe-Havel-Kanals, im Zentrum Sachsen-Anhalts liegt die Magdeburger Börde, eine überaus fruchtbare Lößlandschaft. Südwestlich dieser Börde liegen der Harz und das Harzvorland. Im östlichen Teil des Harzes erhebt sich das bis 1 142 Meter hohe Brockenmassiv, die höchste Erhebung des Bundeslandes. Im Süden hat Sachsen-Anhalt Anteil am Thüringer Becken, an der Goldenen Aue und an der Leipziger Tieflandsbucht mit der Dübener Heide. Im Osten, an der Grenze zu Brandenburg, liegt der Fläming. Die größten Flüsse des Landes sind Elbe, Saale, Bode und Unstrut.
Das Klima des Bundeslandes ist ozeanisch geprägt, es erfährt durch die Becken und Höhen der Mittelgebirge beträchtliche Abwandelungen. Im Norden des Harzes fallen zum Teil beträchtliche Niederschläge, durchschnittlich zwischen 1 200 und 1 600 Millimeter im Jahr. Das Saale-, das Unstrut- und das Bodetal gehören zu den trockensten Landschaften Deutschlands, im Regenschatten des Harzes werden in der Regel kaum 500 Millimeter Jahresniederschlag erreicht.
| 3. | Bevölkerung |
Die Einwohnerzahl des Bundeslandes beträgt etwa 2,78 Millionen. Mit einer Bevölkerungsdichte von 136 Einwohnern pro Quadratkilometer zählt Sachsen-Anhalt zu den am dünnsten besiedelten Bundesländern. Der industrialisiertere Süden ist stärker bevölkert als der überwiegend agrarisch geprägte Norden.
| 4. | Verwaltung und Politik |
Die neue Landesverfassung wurde 1992 verabschiedet und 2004 einer tief greifenden Änderung unterzogen. Die 97 Abgeordneten des Landtages werden nach der geänderten Verfassung ab 2006 für fünf Jahre gewählt (statt wie bis dahin für vier Jahre). Sachsen-Anhalt gliedert sich in die drei kreisfreien Städte Magdeburg, Halle (Saale) und Dessau-Roßlau sowie elf Landkreise.
| 5. | Bildung und Kultur |
In Sachsen-Anhalt gibt es Universitäten in Halle-Wittenberg und Magdeburg, Fachhochschulen in (Dessau-Bernburg-)Köthen, Wernigerode, Magdeburg, Merseburg, Aschersleben und Ballenstedt. Halle hat eine Hochschule für Kunst und Design und eine Evangelische Hochschule für Kirchenmusik.
Von der Universität Wittenberg (1817 mit der Universität Halle zusammengelegt) im Osten des Bundeslandes gingen entscheidende Impulse der Reformation aus. Der in Eisleben geborene Martin Luther übernahm hier 1512 eine Professur; 1517 brachte er am Tor der Schlosskirche seine 95 Thesen gegen die Erteilung von Ablassbriefen an.
Die Stadt Halle war im 18. und 19. Jahrhundert ein Mittelpunkt des deutschen Geisteslebens. Hier lehrten u. a. Christian Thomasius und Christian Freiherr von Wolff. Hier studierten mit Joseph von Eichendorff, Clemens Brentano und Johann Ludwig Tieck führende Vertreter der deutschen literarischen Romantik und 1754 promovierte hier die erste Frau Deutschlands. 1685 wurde in Halle der Komponist Georg Friedrich Händel geboren.
Dessau war von 1925 bis 1932 Sitz des Bauhauses, der Hochschule und der Werkstätten für gestaltendes Handwerk, Architektur und bildende Künste, die entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der modernen Architektur und des modernen Industriedesigns ausübten. Hier lehrten u. a. Wassily Kandinsky und Paul Klee. Kurt Weill, der Komponist der Dreigroschenoper, wurde im Jahr 1900 in Dessau geboren.
In Sachsen-Anhalt gibt es etliche große Stiftskirchen und Kathedralen (hauptsächlich aus der Zeit der ottonischen Reichsherrschaft) von historisch-kultureller Bedeutung, z. B. die Dome in Magdeburg, Naumburg und Merseburg sowie die Kirchen in Gernrode und Quedlinburg.
Der von Goethe in seinem Faust beschriebene höchste Berg des Harzes, der Brocken (der mythologische Blocksberg und Schauplatz der Walpurgisnacht), war ein im Mittelalter berüchtigter „Hexentreffpunkt”, der der Verächtlichmachung der Hexerei bezichtigter Menschen diente.
| 6. | Wirtschaft |
Die Magdeburger Börde gehört zu den fruchtbarsten Gebieten Deutschlands, ihre Lößböden werden intensiv landwirtschaftlich genutzt. Hauptanbauprodukte sind Weizen und Zuckerrüben; darüber hinaus sind Rinder- und Schweinehaltung von Bedeutung. Während im Harz überwiegend Grünlandwirtschaft betrieben wird, werden im Süden des Bundeslandes auch Sonderkulturen wie Wein und Obst kultiviert. In der Altmark werden vor allem Roggen und Kartoffeln angebaut.
Industrielle Ballungsgebiete gibt es in den südlichen und südöstlichen Landesteilen in den Räumen Halle/Merseburg/Bitterfeld, Magdeburg/Schönebeck und Sangerhausen/Hettstedt. Vorherrschender Industriezweig ist die Herstellung chemischer Erzeugnisse; daneben sind Maschinenbau, Energiegewinnung und die Herstellung von Baustoffen von überregionaler Bedeutung. Die Industrie Sachsen-Anhalts hatte stark unter den Schwierigkeiten beim Übergang von staatlich gelenkter Planwirtschaft zu sozialer Marktwirtschaft zu leiden. Seit 1990 mussten viele Anlagen stillgelegt werden. Die Förderung von Rohstoffen (Braunkohle, Stein- und Kalisalz) und die industrielle Produktion verursachten in Sachsen-Anhalt schwerwiegende Umweltschäden.
Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist der Tourismus. Hauptanziehungspunkt des Fremdenverkehrs ist der Harz. Entsprechend der industriellen Entwicklung ist das Verkehrsnetz im Süden dichter als im Norden. Halle und Magdeburg sind wichtige Eisenbahnknotenpunkte. Binnenschifffahrt wird auf Elbe und Saale betrieben. Der Mittellandkanal verbindet die Elbe mit dem rheinisch-westfälischen Flusssystem. Über den Elbe-Havel-Kanal hat Sachsen-Anhalt Anschluss an das Wasserstraßennetz in Berlin und an die Oder.
| 7. | Geschichte |
Sachsen-Anhalt ist seit 1990 Bundesland. Aus der Provinz Sachsen und dem ehemaligen Freistaat Anhalt zusammengefügt, bestand Sachsen-Anhalt als Land vorher nur von 1947 bis 1952. Aber mit ihren teilweise mehr als 1 000 Jahre alten historischen Stätten gehört die Region seit dem Mittelalter zu den Kernländern Deutschlands.
| 1. | Von der Vorgeschichte bis zum frühen Mittelalter |
Menschen gab es in der Region bereits vor 400 000 Jahren, wie dies Funde u. a. in der Nähe von Halle belegen. Seit der Altsteinzeit gehörte die Lößlandschaft an Mittelelbe, unterer Saale und Harz zu den dichtestbesiedelten Räumen Mitteleuropas. Hier entstand zur Bronzezeit die hoch entwickelte Aunjetitzer Kultur, wie die etwa 3 600 Jahre alte, nicht weit von Halle gefundene Himmelsscheibe von Nebra bezeugt.
Seit etwa 500 v. Chr. besiedelten Germanen Mitteldeutschland, ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. verbreiteten sich hier die elbgermanischen Hermunduren, die bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. mit anderen zuwandernden Völkern zum Stamm der Thüringer verschmolzen und im 5. Jahrhundert das mächtige Königreich der Thüringer bildeten, das bis zu seiner Unterwerfung durch das expandierende Frankenreich 531 auch den größten Teil Sachsen-Anhalts umfasste.
| 2. | Fränkische und sächsische Herrschaft |
Nach 531 konnten die Sachsen ihr Stammesgebiet im Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt bis zu Helme und Unstrut im Süden ausdehnen; östlich von Elbe und Saale siedelten Slawen, u. a. Daleminzier und Sorben. Ab 772 begann die Eroberung, Christianisierung und Eingliederung des sächsischen Gebiets in das Frankenreich durch Karl den Großen. Um 800 bei Halle und Magdeburg errichtete Burgen sicherten die Ostgrenze gegen die eindrängenden Slawen. Als erstes Bistum zwischen Mittelelbe und Saale wurde 804/818 das Bistum Halberstadt gegründet, das als geistlicher Sprengel wenig später bereits weite Teile Sachsen-Anhalts umfasste.
| 2.1. | Die sächsische Königslandschaft |
Unter den Liudolfingern, König Heinrich I. und seinem Nachfolger Kaiser Otto I., rückte Ostsachsen – und insbesondere der Harz – als sächsische Königslandschaft in den Mittelpunkt des entstehenden Heiligen Römischen Reiches. Nach der Unterwerfung der Elbslawen durch Heinrich I. 928/929 entstand zur Abwehr der Ungarn ein dichtes Netz von Burgen und Königspfalzen u. a. in Quedlinburg und Merseburg, und unter Otto I. dienten mit Bistümern verbundene Grenzmarken, u. a. die Markgraf Gero verliehene Elb- oder Altmark sowie Merseburg und Zeitz, der Sicherung der Ostgrenze und der Eroberung weiterer slawischer Gebiete östlich von Elbe und Saale. Auf Betreiben Ottos I., der seine Lieblingsresidenz zum „neuen Rom” ausbauen wollte, wurde Magdeburg 968 zum Erzbistum erhoben und mit seinen fünf Suffraganbistümern Meißen, Havelberg, Brandenburg, Zeitz und Merseburg zum Zentrum der ottonischen Ostmission; bei dem Slawenaufstand 983 verlor Magdeburg die ostelbischen Gebiete jedoch wieder. Nach dem Ende der Liudolfinger 1024 ging die sächsische Königslandschaft im Herzogtum Sachsen auf und wurde im 11. Jahrhundert zum Schauplatz der Kämpfe sächsischer Herzöge gegen das Reich und des Welfen-Staufer-Streits im 12. Jahrhundert.
| 3. | Weltliche Territorialmächte, Bistümer und Klöster |
Begünstigt durch Untergang und Aufteilung des Herzogtums Sachsen nach dem Sturz Heinrichs des Löwen 1180 entwickelten sich im Harz-Mittelelbe-Saale-Gebiet die bedeutenden Territorialherrschaften der Askanier, der Wettiner, des Magdeburger Erzbistums, des Halberstadter Hochstifts und lokaler Machthaber wie der Grafen von Mansfeld. Daneben erstarkten auch die Städte, allen voran Magdeburg, das – wie Halle und Aschersleben im 13./14. Jahrhundert – der Hanse beitrat.
| 3.1. | Weltliche Territorialmächte |
Die Grafen von Mansfeld, im Ostharz um die Burg Mansfeld begütert, stiegen seit etwa 1075 zu wichtigen Machthabern auf. Mehrere Herrschaftsteilungen seit 1420 schwächten jedoch die einst reichsunmittelbare Grafschaft, die – ab 1570 unter kursächsischer Verwaltung stehend – 1780 unter Preußen und Kursachsen aufgeteilt wurde.
Der Askanier Bernhard III. erweiterte 1180 durch den Erwerb des Herzogstitels von Sachsen die askanischen Stammlande Ostharz, Altmark und Dessau um das sächsische Restherzogtum, die Gebiete an der Mittelelbe. Unter seinen Nachfolgern entstanden durch Erbteilung die askanischen Herrschaften Sachsen-Lauenburg, Sachsen-Wittenberg – 1356 zum Kurfürstentum erhoben – und Anhalt. Bernhards Sohn Heinrich I., der erste Graf von Anhalt, vereinigte die askanischen Stammgüter im Ostharz und das Land südöstlich von Magdeburg mit Köthen und Dessau 1212/1218 zum Fürstentum Anhalt.
Die Wettiner, Markgrafen von Meißen, beerbten 1423 die erloschene askanische Kurlinie von Sachsen-Wittenberg. Damit gehörten – mit Ausnahme des Fürstentums Anhalt – weite Teile des späteren Sachsen-Anhalt zum wettinischen Herrschaftsgebiet, dem Kurfürstentum Sachsen.
| 3.2. | Bistümer und Klöster |
Magdeburg behielt auch nach dem Verlust der ostelbischen Gebiete 983 und dem Ende der Liudolfinger 1024 seine wichtige Stellung als Fernhandelsplatz und Erzbistum, dessen Entwicklung besonders die Erzbischöfe Norbert von Xanten (1126-1134), Stifter des Prämonstratenserordens und Organisator der neuen Ostmission, Wichmann (1152-1192), als Förderer der Ostkolonisation der eigentliche Begründer der geistlichen Landesherrschaft, und Albrecht I. von Käfernburg (1205-1232), Erbauer des Magdeburger Doms, prägten. Bis Ende des 15. Jahrhunderts erheblich vergrößert und im Brennpunkt der Interessen von Askaniern, Brandenburgern, Welfen und Wettinern, fand das Erzbistum Magdeburg sein Ende nach der folgenschweren Wahl des Albrecht von Brandenburg zum Magdeburger Erzbischof 1513. Seine Ablassbriefe gaben den Anstoß zur Reformation, die sich noch während seines Pontifikats im Erzbistum und in dem auch von ihm verwalteten Bistum Halberstadt ausbreitete. Im Dreißigjährigen Krieg fiel das Territorium 1635 an Sachsen und 1680 gemäß dem Westfälischen Frieden an Brandenburg. Erst 1994 wurde nach langen Verhandlungen zwischen Sachsen-Anhalt und dem Vatikan das Bistum Magdeburg neu gegründet.
Wie die Prämonstratenser mit ihren Klöstern in Magdeburg, Jerichow und Leitzkau beteiligten sich auch die Zisterzienser seit dem frühen 12. Jahrhundert an Ausbau und Entwicklung des Landes. Die Klöster Walkenried, Pforta und Sittichenbach gehörten zu ihren wichtigsten Stützpunkten.
Das Hochstift Halberstadt, im 11./12. Jahrhundert an der Spitze der sächsischen Opposition gegen die Salier und 1179 im Kampf gegen Heinrich den Löwen zerstört, konnte im 14. Jahrhundert sein Territorium erheblich vergrößern, war aber von 1479 bis 1566 in Personalunion mit dem Erzbistum Magdeburg verbunden. Unter Bischof Heinrich Julius von Braunschweig wurde 1591 die Reformation eingeführt, und 1815 kam Halberstadt wie auch die ehemaligen Bistümer Merseburg und Naumburg an die preußische Provinz Sachsen.
| 4. | Anhalt |
Die anhaltinischen Fürstentümer traten bis Ende des 16. Jahrhunderts zur Reformation über. 1570 fanden die Erbteilungen, die die Geschichte Anhalts unter den Askaniern seit 1225 bestimmt hatten, durch die Zusammenlegung des gesamten anhaltinischen Besitzes vorübergehend ein Ende. 1603 freilich wurde Anhalt erneut geteilt in u. a. die Linien Anhalt-Dessau, Anhalt-Bernburg, Anhalt-Köthen, Anhalt-Zerbst und Anhalt-Plötzkau. 1806/1807 traten die noch bestehenden Teil-Fürstentümer Anhalt-Bernburg, Anhalt-Dessau und Anhalt-Köthen als Herzogtümer dem Rheinbund bei und schlossen sich 1834 dem Deutschen Zollverein an. Infolge der Märzrevolution 1848 erarbeitete der Gesamtlandtag für Anhalt-Dessau und Anhalt-Köthen eine liberal-demokratische Verfassung, die zu den herausragenden Verfassungswerken der Revolutionszeit 1848/49 gehört.
Nach dem Aussterben der Linien Bernburg und Köthen vereinigte Herzog Leopold Friedrich die anhaltinischen Herzogtümer 1863 zum Herzogtum Anhalt mit der Hauptstadt Dessau. Eng an der Seite Preußens und seit 1866 Mitglied des Norddeutschen Bundes, trat das Herzogtum Anhalt 1871 dem Deutschen Reich bei. Nach der Novemberrevolution 1918 wurde Anhalt ein Freistaat der Weimarer Republik.
| 5. | Preußische Provinz Sachsen |
Nach dem Wiener Kongress entstand 1815 die preußische Provinz Sachsen mit der Hauptstadt Magdeburg und thüringischen Gebieten um Erfurt, einem großen Teil Sachsen-Anhalts, den Landen um Magdeburg, Halberstadt und Querfurt, der Altmark, der Grafschaft Mansfeld und den ehemaligen Stiftsgebieten von Quedlinburg, Merseburg und Naumburg. In diese Provinz eingebettet lag Anhalt. Die preußische Provinz Sachsen bestand bis 1944, als die Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg eingerichtet wurden; die Gebiete um Erfurt kamen an Thüringen.
| 6. | Von der Weimarer Republik zur nationalsozialistischen Diktatur |
Der raschen Industrialisierung Mitteldeutschlands im 19. Jahrhundert entsprechend hatte die Sozialdemokratie auch in Sachsen-Anhalt eine lange Tradition, die sich in der Weimarer Republik fortsetzte. Bis 1932 bekamen die Linksparteien hier mehr als 40 Prozent der Stimmen. Halle galt als „rotes Herz Mitteldeutschlands” und war die Hochburg der KPD und Zentrum von Arbeiterkämpfen in den Anfangsjahren der Weimarer Republik; der Rote Frontkämpferbund und das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold waren in Halle bzw. Magdeburg fest verankert. Bei den Landtagswahlen April 1932 erhielt die NSDAP in Anhalt die Mehrheit und bildete mit der DNVP eine Koalitionsregierung unter Alfred Freyberg (NSDAP), dem ersten nationalsozialistischen Ministerpräsidenten in Deutschland. Als eine ihrer ersten Amtshandlungen schloss die NSDAP-DNVP-Koalition das Staatliche Bauhaus in Dessau.
Der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 folgte die Gleichschaltung Anhalts und der Provinz Sachsen. Regimegegner wurden in zügig errichteten Konzentrationslagern (KZ) wie dem ab Juni 1933 betriebenen KZ Lichtenburg bei Torgau ausgeschaltet. Antifaschistischen Widerstand leisteten einzelne Vertreter der Kirchen, Mitglieder der Arbeiterbewegung und der KPD, die im Kampf gegen das NS-Regime besonders viele Opfer zu verzeichnen hatte. Ab Mitte der dreißiger Jahre wurde die Rüstungsproduktion (z. B. Leuna-Werke) in der hoch entwickelten Industrie Sachsen-Anhalts ausgeweitet. Vor allem diese Industriereviere, aber auch Städte wie Magdeburg, Dessau, Halberstadt und Merseburg, wurden im 2. Weltkrieg (1939-1945) zerstört.
| 7. | Nachkriegszeit und DDR |
Ende des 2. Weltkrieges zunächst von amerikanischen und britischen, dann von sowjetischen Truppen besetzt, wurden Anhalt und die Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg innerhalb der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) 1945 zur Provinz Sachsen-Anhalt vereinigt, die 1947 – mit der Hauptstadt Halle – den Status eines Landes erhielt. Seit 1949 gehörte Sachsen-Anhalt zur Deutschen Demokratischen Republik (DDR), wurde aber 1952, wie alle Länder der DDR, aufgelöst und in die Bezirke Magdeburg und Halle unterteilt.
| 8. | Sachsen-Anhalt nach der Wiedervereinigung |
Im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung als Land wiederhergestellt, wurde Sachsen-Anhalt im Oktober 1990 Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Nach den Landtagswahlen vom Oktober 1990 bildete die CDU als stärkste Fraktion eine Koalition mit der FDP, der drittstärksten Partei; Ministerpräsident wurde Gerd Gies (CDU). Bei den Landtagswahlen vom Juni 1994 wurde zwar die CDU erneut knapp stärkste Fraktion, ihr Koalitionspartner FDP scheiterte jedoch an der Fünfprozenthürde. In der Folge bildete die SPD eine Minderheitsregierung mit Bündnis 90/Die Grünen, die im so genannten „Magdeburger Modell” von der PDS, der drittstärksten Fraktion im Landtag, toleriert wurde. Ministerpräsident wurde Reinhard Höppner (SPD). Aus den Landtagswahlen vom April 1998 ging die SPD klar als stärkste Partei hervor, aber auch sie verlor ihren Koalitionspartner, dem der Wiedereinzug in den Landtag nicht gelang. Höppner führte das „Magdeburger Modell”, d. h. eine von der PDS tolerierte SPD-Minderheitsregierung, fort. Für Bestürzung sorgte der Wahlerfolg der rechtsextremen DVU, die fast 13 Prozent der Stimmen erhalten hatte.
Trotz aller Kritik und Angriffe der Opposition im Land wie im Bund funktionierte das „Magdeburger Modell” relativ gut; was die Wirtschaftsdaten anbelangte, so bildete Sachsen-Anhalt allerdings das Schlusslicht unter den fünf neuen Bundesländern. Die Lage verbesserte sich in Maßen, als nach den Landtagswahlen vom April 2002 wieder die CDU klar stärkste Fraktion wurde und in einer Koalition mit der FDP und mit Wolfgang Böhmer als Ministerpräsidenten die Regierung übernahm. Sachsen-Anhalt gab nun den Schlusslicht-Status an Mecklenburg-Vorpommern ab. Die Landtagswahlen vom März 2006 bestätigten die CDU unter leichten Verlusten als stärkste Kraft, die nun, da die großen Verluste der FDP eine Fortsetzung der christlich-liberalen Koalition unmöglich machten, ein Regierungsbündnis mit der SPD bildete. Ministerpräsident blieb Wolfgang Böhmer.