| Suchansicht | Johann Jakob Bachofen | Artikelansicht |
Johann Jakob Bachofen (1815-1887), Schweizer Rechtshistoriker, Altertumsforscher und Evolutionist. Bachofen wurde am 22. Dezember 1815 in Basel geboren. Seit 1841 war er als Professor für römische Rechtsgeschichte in Basel tätig, zugleich übte er das Amt eines Appellationsrichters aus und war Mitglied des Baseler Stadtrats, ab 1844 lebte er als Privatgelehrter. Er starb am 25. November 1887 in seiner Heimatstadt.
Anhand einer umfassenden Materialsammlung hauptsächlich klassischer griechischer und römischer Texte über die soziale Stellung der Frau in den vorklassischen Kulturen des östlichen Mittelmeeres und ethnographischen Materials versuchte er, die so genannte mutterrechtliche Gesellschaftsordnung darzustellen. Die Idee des Mutterrechts als frühem Zustand der menschlichen Entwicklungsgeschichte entstand im 19. Jahrhundert im Zusammenhang mit der zunehmenden Erforschung der matrilinearen Filiation (in der die Abstammung in der Mutterlinie ausgedrückt wird) und der damit verbundenen klassifikatorischen Verwandtschaftstermini. Die matrilineare Filiation wurde dabei als älter als die patrilineare Filiation angesehen, eine Annahme, die heute nicht mehr aufrechterhalten wird. Bachofen entwarf – eine heute verworfene – Theorie der drei Entwicklungsstufen der Menschheit: die hetärische Gynäkokratie (Hetärismus), die eheliche Gynäkokratie (Mutterrecht) und das Vaterrecht, wobei er Mutterrecht nicht mit Frauenherrschaft gleichsetzte. Wichtigste Werke Bachofens sind: Das Mutterrecht. Eine Untersuchung über die Gynaikokratie der alten Welt nach ihrer religiösen und rechtlichen Natur (1861), Antiquarische Briefe (1886 und 1888), Gesammelte Werke (10 Bde., 1943 bis 1967), Urreligion und antike Symbole (3 Bde., 1926) sowie Mutterrecht und Urreligion (1927).