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Biozönose

Biozönose oder Lebensgemeinschaft, die Lebewesen eines Ökosystems.

Die Biozönose ist der biotische Teil eines Ökosystems, im Unterschied zum Lebensraum (Biotop), dem abiotischen Teil. Sie umfasst alle Arten von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen und über die Mitglieder des Nahrungsnetzes hinausgehend auch Destruenten, also Organismen, die tote organische Materie zersetzen und daraus wieder Nährstoffe herstellen (siehe Fäulnis und Verwesung). Die Biozönose besteht aus verschiedenen Teilgemeinschaften, z. B. der Artengemeinschaft der Bodenorganismen, der Sandlückenfauna im Meeresboden oder dem Plankton. Jedes Ökosystem hat seine individuelle Biozönose – Biozönosen sind einander aber oft sehr ähnlich, wenn entscheidende Umweltfaktoren gleich sind (siehe Küstenlebewesen; Meereslebewesen; Tiefseelebewesen).

Gekennzeichnet ist eine Biozönose durch die Anzahl (Artenvielfalt), die Abundanz und die räumliche Verteilung ihrer Arten. Die Artenvielfalt hängt in erster Linie von der Zahl der ökologischen Nischen in einem Ökosystem ab. Je höher sie ist, desto mehr Arten können vor der Konkurrenz anderer Arten ausweichen, indem sie eine spezielle Nische besetzen (siehe Konkurrenzausschlussprinzip). Zahlreiche ökologische Nischen bieten beispielsweise die Biotope der Korallenriffe. Eine Biozönose umfasst im Allgemeinen umso weniger Arten, je weiter das entsprechende Biotop von den Tropen entfernt ist. In Abhängigkeit vom Klima und anderen abiotischen Umweltfaktoren lassen sich in verschiedenen Ökosystemen charakteristische Pflanzengesellschaften unterscheiden. Von diesen hängt jeweils auch die Artenvielfalt der übrigen Biozönose ab.

Artenreiche Biozönosen sind nicht stabiler als artenarme. Im Verlauf der ökologischen Sukzession nimmt die Artenvielfalt der Biozönose in einem Ökosystem erst langsam, dann relativ schnell zu. Mit der Änderung des Artenspektrums ändern sich auch Umweltfaktoren: Sträucher etwa bieten vielen Tieren Lebensraum, entziehen aber vielen kleineren Pflanzen das Licht. Über einen längeren Zeitraum setzen sich meist nur wenige Arten durch. Sind diese etabliert, verlangsamt sich die Sukzession, schließlich entsteht eine Klimaxgesellschaft. Die Biozönose einer solchen Klimaxgesellschaft befindet sich in einem relativ stabilen ökologischen Gleichgewicht, das meist nur durch Störungen von außen (Umweltkatastrophen oder Einwirkung des Menschen) dauerhaft verändert wird.

Eine regelmäßige, räumlich begrenzte Störung fördert die Stabilität einer ausgedehnten Klimaxgesellschaft: Andere Arten können sich wieder ansiedeln, die Sukzession beginnt von neuem. So bleibt im Durchschnitt die Zusammensetzung der Biozönose in einem Wald gleich, auch wenn die älteren Bäume absterben. Sehr artenreiche Biozönosen finden sich meist in Wäldern mit einem ökologischen „Mosaik” aus alten Bäumen. Alte Bäume mit verwinkelten, stark strukturierten Stämmen beherbergen beispielsweise verschiedene Arten von Brutvögeln und viele andere Arten, insbesondere wirbelloser Tiere. Tote Bäume bieten einer großen Zahl von Totholzbewohnern Lebensraum und Nahrung.