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Brauch, überlieferte soziale Verhaltensweisen, für deren Einhaltung es keine gesellschaftlich institutionalisierten Kontrollmechanismen gibt.
Zwischen Sitte und Brauch besteht eine enge Beziehung: Bräuche werden konkret in Gruppen praktiziert; Sitte ist die dahinterstehende übergeordnete und bewahrende geistige Ordnungsmacht. Bräuche stammen aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen: Sie können religiösen, berufsständischen, geselligen, familiären aber auch magischen Ursprungs sein. Durch ethnische, politische sowie regionale Einflüsse werden Bräuche verändert; durch sozialen Wandel werden sie dem Zeitgeist angepasst, wobei Althergebrachtes neben Neuem bestehen bleibt.
Alle im Lebensverlauf wichtigen Ereignisse sind mehr oder weniger mit Bräuchen verbunden: Geburt, Taufe, Einschulung, Erwachsenwerden, berufliche Abschlußprüfungen (vor allem im Handwerk), Hochzeit und Tod. Bei festlichen Ereignissen im privaten wie im öffentlichen Jahresverlauf spielen Bräuche ebenfalls eine wichtige Rolle (Geburtstage; Fastnacht, Ostern, Weihnachten). Die Darstellungsmittel von Bräuchen sind vielfältig. Sie zeigen sich in Wort, Gruß, Musik und Lied, Tanz und Spiel sowie in der Kleidung. Auch ritualisierte Handlungsabläufe bei festlichen Ereignissen (z. B. Erntedankfest) gehören dazu.
Für die Überlieferung und Ausübung von Bräuchen sind bestimmte Trägergruppen unerlässlich (Alters- und Geschlechtsgruppen, Glaubensgruppen, ethnische Gruppen). Brauchtum bezieht sich auf die Gesamtheit der Ritualisierungen im Alltag. Heutzutage erfolgt Brauchtumspflege oftmals zu Werbezwecken (z. B. in der Tourismusbranche) durch organisierte Vorführungen (Folklorismus).