Dienstleistungsgesellschaft
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Dienstleistungsgesellschaft
2. Die Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft

Der Wandel der Industriegesellschaften zu Dienstleistungsgesellschaften erfolgte im Verlauf des 20. Jahrhunderts. Bereits Anfang der neunziger Jahre arbeiteten in den USA 70 Prozent der Beschäftigten im tertiären Sektor. Inzwischen erreichten auch viele europäische Staaten diesen Wert. In Deutschland waren laut Statistischem Jahrbuch 2005 knapp 72 Prozent der Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor beschäftigt; mit 1,4 Billionen Euro erwirtschaftete er 69,4 Prozent der Bruttowertschöpfung.

Die zum Dienstleistungssektor gehörenden Wirtschaftsbereiche entwickelten sich nicht alle gleich stark. Während sich beispielsweise der Anteil der im Handel Beschäftigten in den letzten Jahrzehnten kaum verändert hat, ist der Anteil der in Versicherungen und Banken Beschäftigten deutlich gewachsen. Immer wichtiger wird die Beschaffung, Verarbeitung und Darstellung von Informationen, wie sie z. B. Beratungsunternehmen und Onlinedienste anbieten. Die moderne Dienstleistungsgesellschaft wird daher auch als Informationsgesellschaft bezeichnet.

Die Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft, nämlich die wachsende Bedeutung des tertiären Sektors gegenüber dem primären Sektor (Land- und Forstwirtschaft) und dem sekundären Sektor (Warenproduktion und -verarbeitung), ist mit sozialen Umwälzungen verbunden. Betroffen sind vor allem die Beschäftigten der Branchen des ersten und zweiten Sektors, die im Zuge des Strukturwandels an Bedeutung verlieren. Weil agrarische und industrielle Produktion wegen des hohen Lohnniveaus in einer vom Dienstleistungssektor dominierten Volkswirtschaft oft unrentabel sind, werden sie zum Teil in Länder verlagert, die den Schritt zur Dienstleistungsgesellschaft noch nicht vollzogen haben. Zwar entstehen im Dienstleistungsbereich neue Berufe und Arbeitsplätze, sie können aber die entfallenen Stellen nicht ersetzen, weil nicht alle Erwerbslosen in der Lage sind, die erforderlichen Qualifikationen für die neuen Berufsbilder z. B. durch Umschulung zu erwerben; es entsteht strukturelle Arbeitslosigkeit. Ob die Zahl der Arbeitslosen in der Dienstleistungsgesellschaft nach einer Übergangsfrist wieder gesenkt werden kann, ist fraglich. Längst werden auch Dienstleistungen (z. B. Programmiertätigkeiten oder Telefondienste) in Länder mit niedrigem Lohnniveau ausgelagert (siehe Globalisierung).