Domestikation
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Domestikation
2. Prozess der Domestikation

Entscheidend für den Prozess der Domestikation ist der Ersatz der natürlichen Selektion durch eine künstliche. Unter natürlichen Bedingungen können sich die besser an die herrschenden Umweltbedingungen angepassten Individuen erfolgreicher fortpflanzen als weniger gut angepasste. Eine Hege der Tiere durch den Menschen schränkt für sie bedrohliche Situationen wie Nahrungsmangel und Feinddruck ein. Durch die vom Menschen ausgeübte künstliche Zuchtwahl nach verschiedenen, dem Menschen Nutzen bringenden Eigenschaften wird deshalb eine künstliche Selektion ausgeübt, wobei zumeist Eigenschaften gefördert werden, die für Wildtiere ungünstig wären. Unterschiedliche Zuchtziele bei derselben Haustierart (z. B. Milchleistung oder Fleischertrag von Hausrindern) führen zur Bildung verschiedener Rassen.

Als Domestikationserscheinungen bezeichnet man Merkmale, die bei Haustierrassen durch mangelnden Selektionsdruck entstehen. Häufige Domestikationserscheinungen sind der Verlust einer zur Tarnung dienenden Färbung – etwa die so genannte „Holländerscheckung” von Kaninchen mit vorn und hinten dunklem und in der Mitte hellem Haarkleid, aber auch Hängeohren und eine Verkürzung des Gesichtsschädels. Weitere degenerative Entwicklungen – auch bedingt durch die reizarme Haltung – sind die Verringerung des Hirngewichts um circa 20 bis 30 Prozent, die Rückbildung der Hirnfurchung sowie Änderungen des Hormonhaushalts und Instinktverhaltens. Derartige Erscheinungen sind bei Zootieren bereits in der ersten Generation zu beobachten.