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Fantasy-Literatur (englisch fantasy: Phantasie), Unterkategorie der phantastischen Literatur. Sie ist durch ein Figuren- und Handlungsrepertoire der gänzlich imaginären Welt der Mythen, Märchen und Sagen sowie durch die Verwendung von Elementen der Abenteuer-, Horror-, Utopie- und Sciencefictionliteratur in beliebiger Mischung gekennzeichnet.
Fantasy-Romane sind in einer fiktiven Welt angesiedelt, die sich deutlich von jeder Realität unterscheidet, wobei diese fiktive Welt oft strukturelle Elemente einer archaischen historischen Epoche der Menschheitsgeschichte besitzt, etwa der keltischen Eisenzeit oder des Mittelalters. Die Handlungsträger sind meist Menschen, wobei die Fantasy-Welt in aller Regel zusätzlich von Phantasie- und Sagengestalten bevölkert ist, z. B. von Zwergen, Kobolden, Feen, Elfen, Zauberern, Drachen, „Tiermenschen” (Werwölfe, Kentauren, Satyrn, Insektenwesen etc.) oder auch von „Untoten” wie Vampiren oder Zombies; viele Fantasy-Autoren haben auch gänzlich neue Wesen erdacht, die nicht durch Sagen, Märchen oder den Volksglauben inspiriert sind. Fantasy-Romane sind episch angelegt und sehr handlungsreich; die Handlung weist stereotype Elemente auf wie kämpferische Auseinandersetzungen mit bedrohlichen Wesen, abenteuer- und gefahrenreiche Reisen oder den Kampf gegen das – meist in einer Figur personifizierte – Böse. Protagonist ist oft ein einzelner Mensch, der das Gute verkörpert und zunächst eine Art Lehre (z. B. zum Zauberer oder Krieger) absolvieren muss, bevor er – als vermeintlich Unterlegener, letztlich aber siegreich – den Kampf mit dem Bösen aufnimmt. Ein weiteres Merkmal der Fantasy-Literatur, in dem sie u. a. der Sciencefictionliteratur sehr ähnelt, ist das gehäufte Auftreten ganzer – freundlich oder feindlich gesinnter – „Völker”, die selten als Gesellschaftsgefüge von Individuen, sondern meist als (seelen- und einzelwillenlose) Masse an Gefolgsleuten einer Führergestalt dargestellt werden.
Als frühe Vorläufer der Fantasy-Literatur können die jahrhundertealten mythischen Sagen und Heldenepen gelten, etwa die Artussage oder das Nibelungenlied. Als eigenes Subgenre entstand sie in den sechziger Jahren unter Bezugnahme auf die literarischen Traditionen der Phantastik. Als ihr Begründer gilt J. R. R. Tolkien, der schon mit dem Kinderbuch The Hobbit (1937; Der kleine Hobbit) eine ganz eigene phantastische Welt kreiert hatte und dann mit der Romantrilogie The Lord of the Rings (1954/55; Der Herr der Ringe) das bis heute bedeutendste und vorbildhafteste Werk der Fantasy-Literatur schuf. Seit den siebziger Jahren ist Fantasy in hohen Auflagen verbreitete serielle Unterhaltungs- bzw. Trivialliteratur, zumeist in Taschenbuchform, und wird von darauf spezialisierten Autoren verfasst. Zu den Fantasy-Bestsellerautoren seit den achtziger Jahren zählen u. a. Marion Zimmer Bradley mit The Mists of Avalon (1982; Die Nebel von Avalon), Stephen R. Donaldson, Stephen King, Terry Brooks, Raymond E. Feist, Peter S. Beagle, Tad Williams, Kai Meyer und Wolfgang Hohlbein. Einen parodistischen Umgang mit Fantasy-Motiven pflegen etwa Terry Pratchett mit seinem Scheibenwelt-Zyklus oder Walter Moers mit seinen skurrilen Romanen aus „Zamonien”.
Große Bedeutung besitzt Fantasy auch im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur, wobei hier neben Tolkien C. S. Lewis mit dem Romanzyklus The Chronicles of Narnia (1950-1956; Die Chroniken von Narnia) und Michael Ende mit Die unendliche Geschichte (1979) stilbildend wirkten. Zu sensationellen Verkaufserfolgen wurden der zwischen „echter” und Phantasiewelt wechselnde Roman Harry Potter and the Philosopher’s Stone (1998; Harry Potter und der Stein der Weisen) von Joanne K. Rowling sowie die sechs folgenden Harry-Potter-Romane (1998-2007). In Anlehnung an diese Weltbestseller entstanden zahlreiche weitere Fantasy-Romanreihen für Kinder und Jugendliche, etwa die Artemis-Fowl-Serie von Eoin Colfer (ab 2001), die Bartimäus-Trilogie von Jonathan Stroud (2003-2005), die Tintenwelt-Trilogie von Cornelia Funke (2003-2007) oder die Eragon-Reihe von Christopher Paolini (ab 2004).
Der enorme Erfolg der Fantasy-Romane ist aufschlussreich als Zeitphänomen: Zwar können die Tagtraumwelten der Texte gesellschaftskritische Tendenzen aufweisen, ihnen wohnt zumeist aber ein deutlicher Hang zum Eskapismus inne, weshalb sie vielfach als gesellschaftliche Realitäten und Probleme ausblendend bzw. verdrängend kritisiert werden. Fantasy hat sich nicht nur in der Literatur, sondern auch im Film (Fantasy-Film) und im Comic als eigenes Subgenre etabliert; große jugendkulturelle Bedeutung besitzt sie auch im Bereich des Computerspiels sowie des Rollenspiels (z. B. Dungeons & Dragons).