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Robert Havemann

Robert Havemann (1910-1982), deutscher Physikochemiker und politischer Theoretiker, vertrat das Konzept einer sozialistischen Demokratie und war in der DDR Wortführer einer reformkommunistischen Opposition.

Havemann wurde am 11. März 1910 als Sohn eines Lehrers in München geboren. Er studierte in München und Berlin Chemie, promovierte 1935 und habilitierte sich 1943. Seit 1932 Mitglied der KPD, wurde er 1943 als Leiter der antifaschistischen Widerstandsgruppe Europäische Union verhaftet und vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, erhielt jedoch Vollstreckungsaufschub und war bis 1945 im Zuchthaus Brandenburg inhaftiert. Von 1945 bis 1949 war Havemann Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physikalische Chemie in Berlin-Dahlem, 1947 erhielt eine Professur für physikalische Chemie an der Humboldt-Universität in Ostberlin, und von 1949 bis 1963 war er Abgeordneter der Volkskammer der DDR.

Im Zuge der Entstalinisierung ab 1956 sammelten sich um Robert Havemann Intellektuelle, u. a. Wolfgang Harich und Ernst Bloch, die Demokratisierung von Partei, Staat und Gesellschaft auf der Grundlage reformkommunistischer Denkmodelle forderten. Nach Veröffentlichung seiner Programmschrift Dialektik ohne Dogma (1964), einer an marxistischen Prinzipien orientierten Kritik des SED-Führungsstils, wurde Robert Havemann aus der SED ausgeschlossen und aus seinem Lehramt entlassen; 1966 wurde er auch aus der Deutschen Akademie für Wissenschaften ausgeschlossen, und von 1977 bis 1979 stand er unter Hausarrest. Mit seiner Vision einer sozialistischen Demokratie und seinem Beispiel des politischen Engagements wurde er zu einem Kristallisiationskern der Friedens- und Bürgerrechtsbewegung in der DDR. Havemann starb am 9. April 1982 in Grünheide in der Mark.

Zu Havemanns politischen Hauptwerken gehören u. a.: Fragen, Antworten, Fragen. Aus der Biographie eines deutschen Marxisten (1970); Ein deutscher Kommunist. Rückblicke und Perspektiven aus der Isolation (1978); Morgen. Die Industriegesellschaft am Scheideweg. Kritik und reale Utopie (1980) und Die Zukunft des Sozialismus (1971, herausgegeben von H. Jäckel).