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Hochhaus, vielstöckiges, vertikal organisiertes, zumeist städtisches Gebäude mit Büros oder Wohnungen. Gemäß einer technischen Definition muss ein Hochhaus mindestens zwölf Stockwerke oder eine Höhe von 30 Metern aufweisen. Hochhäuser (englisch skyscraper: Wolkenkratzer) sind vor allem für moderne Wirtschaftsmetropolen charakteristisch.
Als Vorläufer moderner Hochhäuser können die Geschlechtertürme gelten, die vom 13. bis zum 15. Jahrhundert in Mittelitalien errichtet wurden und die Stadtsilhouetten beispielsweise von Bologna, Florenz und San Gimignano prägen. Auch in Frankreich und Deutschland ließen sich im Mittelalter Patriziat und Adel hoch aufragende Gebäude als Zeichen von Macht und Wohlstand erbauen. Eindrucksvolle Hochhäuser sind ferner die Lehmbauten (siehe Lehmarchitektur) der Stadt Sana im Jemen.
Der Bautypus des modernen Hochhauses entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den USA, besonders in Chicago und New York. Seine Entstehung verdankt er einer Reihe technischer und ökonomischer Voraussetzungen. Hierzu zählen die Erfindung des Stahlskelettbaus und des Fahrstuhls. Ferner bedurfte es der Einrichtung moderner Nahverkehrsmittel wie Stadtbahn oder Untergrundbahn, um große Menschenmengen schnell zu den Gebäuden transportieren zu können (siehe öffentlicher Personennahverkehr). Ökonomische Bedingungen waren die schnell steigenden Grundstückspreise in den Metropolen und die Notwendigkeit großer Unternehmen, ihren Firmensitz in der Nähe der Börse (Wall Street in New York) zu platzieren.
Neben diesen technischen und praktischen Faktoren spielen Prestigedenken und ökonomische Machtansprüche eine Rolle. In seiner mehr als 100-jährigen Geschichte entwickelte der Hochhausbau als neuer Bautypus eine eigene Ästhetik. Hochhäuser können daher als Ausdruck politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Verhältnisse interpretiert werden, was der Vergleich beispielsweise des schlicht-eleganten, von Ludwig Mies van der Rohe entworfenen Seagram Buildings (1958) in New York mit dem pompös-auftrumpfenden, von Lew Rudnew entworfenen Hauptgebäude der Lomonossow-Universität (1953) in Moskau deutlich zeigt (siehe amerikanische Kunst und Architektur; russische Kunst und Architektur). Der architektonische Höhenrausch stößt auch immer wieder auf Skepsis, Kritik und Ablehnung, die religiös, politisch, ökologisch oder ästhetisch motiviert sein kann.
Erste moderne Hochhäuser entstanden in Chicago nach dem Brand von 1871, der mehr als die Hälfte der städtischen Gebäude zerstörte. Hier, in der „Schule von Chicago” (Chicago School), wurde der Stahlskelettbau erfunden. Zu den bedeutendsten Vertretern dieser Schule gehörte einer der Pioniere des Hochhausbaus, Louis Henri Sullivan, der später auch „Vater des Wolkenkratzers” genannt wurde.
Im 20. Jahrhundert entwickelte sich dann New York zur Stadt mit den meisten, höchsten und berühmtesten Hochhäusern. Die Serie der Höhenrekorde eröffnete 1908 das 187 Meter hohe Singer Building (47 Stockwerke) des Architekten Ernest Flagg, noch im historistischen Stil von einer neobarocken Kuppel gekrönt. Dieses Gebäude wurde 1968 abgerissen, um dem Neubau des World Trade Center Platz zu machen. 1909, also nur ein Jahr später, lief ihm der Metropolitan Life Insurance Company Tower (213 Meter Höhe, 50 Stockwerke), eine vergrößerte Nachbildung des Campanile von San Marco in Venedig, den Rang als höchstes Gebäude ab. Es folgten 1930 das Chrysler Building mit seiner Spitze und Innendekoration im Stil des Art deco (319 Meter, 77 Stockwerke; Architekt: William Van Alen) und 1931 das Empire State Building (381 Meter, 102 Stockwerke; Architekten: Richmond Harold Shreve, William Frederick Lamb und Arthur Loomis Harmon), das den Höhenrekord mehr als 40 Jahre lang halten konnte, bis es 1973 von den Zwillingstürmen des World Trade Center übertroffen wurde (415 und 417 Meter, mit der Antenne des Nordturms 526 Meter, 110 Stockwerke; Architekt: Minoru Yamasaki). Durch den Terroranschlag am 11. September 2001 wurden beide Türme vollständig zerstört, seitdem sind wieder das Empire State Building und das Chrysler Building die höchsten Gebäude von New York.
Ein Jahr nach ihrer Eröffnung verloren die Türme des World Trade Center ihren Rekordstatus an den 1974 eröffneten Sears Tower in Chicago (442 Meter, mit Antenne 527 Meter, 110 Stockwerke; Architekten: Skidmore, Owings & Merrill). Von 1997 bis 2004 hielten die durch eine spektakuläre Brücke auf halber Höhe verbundenen Doppeltürme der Petronas Towers in Kuala Lumpur mit 452 Metern (88 Stockwerke; Architekt: Cesar Pelli) den Höhenrekord. Seit Dezember 2004 ist das Taipei Financial Center in der taiwanesischen Hauptstadt mit 508 Metern das höchste Gebäude der Welt. Das von dem taiwanesischen Architekturbüro C. Y. Lee & Partners entworfene Bauwerk wird nach der Anzahl seiner Stockwerke auch „Taipei 101” genannt.
In Europa setzte der Bau von Hochhäusern erst in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts ein. Erste Beispiele sind das Wilhelm-Marx-Haus in Düsseldorf (1924; 57 Meter, 13 Stockwerke; Architekt: Wilhelm Kreis) und das Hansahaus in Köln (1925; 65 Meter, 18 Stockwerke; Architekt: Jacob Koerfer).
Der Streit um Höhenrekorde bei Hochhäusern ist nicht ohne Schwierigkeiten zu schlichten, denn es hängt von der Definition ab, welches als der höchste Punkt gelten soll: die Oberseite der Gebäudestruktur, des Daches oder die Spitze einer Antenne. Selbst die Frage, was als Gebäude zu gelten habe, bedarf einer klärenden Definition. Offizielle Autorität in diesen Fragen ist der Council on Tall Buildings and Urban Habitat in Chicago. Er definiert ein Gebäude als eine „Rahmenstruktur mit Wänden und Stockwerken”, deren „strukturelle Oberkante” für den Höhenvergleich maßgeblich ist. Das Taipei Financial Center (Taipei 101) darf sich daher mit 508 Metern das höchste Gebäude der Welt nennen, obwohl die Antenne des Sears Tower 527 Meter Höhe erreicht. Das höchste frei stehende Bauwerk der Welt ist der CN Tower in Toronto, ein Funkturm mit 553 Meter Höhe. In der Entwurfsphase steckt ein Aufwindkraftwerk mit einem 1 500 Meter hohen Stahlbetonkamin, das in Südafrika entstehen soll. Die höchste von Menschen errichtete Konstruktion ist ein von Stahlseilen gehaltener Funkmast in North Dakota (USA) mit 629 Metern. Das höchste Gebäude in Europa ist seit 1997 der Turm der Commerzbank in Frankfurt/Main (259 Meter, 56 Stockwerke; Architekt: Sir Norman Foster).
Stilistisch sind im Hochhausbau die meisten wichtigen Architekturströmungen des 19. und 20. Jahrhunderts (siehe moderne Kunst und Architektur) verwirklicht worden: Historismus, Art deco, Rationalismus, Internationaler Stil, Postmoderne, Hightech und andere. Zu den Kuriositäten postmoderner Hochhausarchitektur gehören zwei Gebäude in Bangkok, die quasi als monumentale Skulpturen einen Roboter und einen abstrahierten Elefanten darstellen. Die Idee des Hochhauses inspirierte besonders auch Vertreter der utopischen Architektur zu kühnen Entwürfen. El Lissitzky entwarf 1924 zusammen mit Mart Stam ein Bürohaus als Wolkenbügel, und Frank Lloyd Wright plante einen Turm von 1 600 Meter Höhe. Projekte, die wie Sciencefiction anmuten, sind z. B. der Entwurf des X-Seed 4000, eine 4 000 Meter hohe Stahlkonstruktion, die in den achtziger Jahren als künstliche Stadt für eine Million Menschen und als schwimmende Insel vor der Küste Japans konzipiert wurde.
Architekturgeschichtlich waren es vor allem die Bürogebäude, die als Hochhäuser Furore gemacht haben. In ihrem Schatten stehen zumeist die Wohnbauten. Sie waren es auch vorrangig, die als Verirrungen der Stadtplanung Kritik auf sich zogen. Als schnelle und billige Möglichkeit des Wohnungsbaus und der Lösung des Wohnraumproblems, in der Regel als Trabanten- oder Satellitenstädte, als Suburbs und Banlieue am Stadtrand oder als eigene Vororte errichtet, kulminierten in solchen standardisierten und anonymen Architekturen die sozialen Probleme moderner Großstädte wie Anonymität, Armut und Kriminalität. Diese gesichtslosen, tristen Hochhäuser, meist als so genannte Rasterarchitektur entworfen und in der Plattenbauweise verwirklicht, prägen Wohnviertel sowohl in kapitalistischen (z. B. Paris) als auch in ehemals kommunistischen Ländern (z. B. Moskau).
In den sechziger und siebziger Jahren schossen auch in den Metropolen außerhalb der reichen Industrieländer Bürohäuser in die Höhe, das neue Selbstbewusstsein wirtschaftlich aufstrebender Staaten anzeigend (z. B. São Paulo, Brasilien). Die Ölkrise der siebziger Jahre dämpfte die globale Nachfrage nach Hochhäusern nur vorübergehend; in den neunziger Jahren erfreute sich der Hochhausbau erneut großer Beliebtheit.
Am 11. September 2001 wurden die Zwillingstürme des World Trade Center, eines der Wahrzeichen der Stadt New York und prominentestes Symbol der Wirtschaftsmacht USA, Ziel eines verheerenden Terroranschlags, bei dem in den einstürzenden Türmen etwa 3 000 Menschen den Tod fanden. Aus dem Statussymbol des reichsten und wirtschaftlich erfolgreichsten Landes der Welt war ein Symbol für die Verwundbarkeit der Industrieländer durch fanatische Gewalttäter geworden.