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Intertextualität, in der französischen Textpoetik und in der Semiotik die Bezeichnung für die wechselseitigen Referenzbezüge eines – zumeist literarischen – Textes (Phänotext) zu jenen Texten (Genotexten), strukturellen Zeichengefügen oder Codes, auf die er verweist. Grundlage ihrer Entschlüsselung sind Zitate, Allusionen etc. Offensichtlich wird dieses Verweismodell bei Parodie, Satire, Plagiat, Adaption, Travestie, Imitation und ähnlichen literarischen Verfahren, die sich konkret und direkt auf Fremdtext beziehen. Die Semiotik mit ihrem erweiterten Textbegriff allerdings geht davon aus, dass prinzipiell jede sprachliche Äußerung, auch wenn vom Autor unbeabsichtigt, auf Vorlagen zurückgreift, sein Text also von einem Netz anderer Texte überlagert wird. Auch Bezüge zwischen den Zeichensystemen der Literatur und der bildenden Kunst sind möglich. Theoretisch wurde dieses Konzept eines „Palimpsestcharakters” von Literatur vor allem von Julia Kristeva näher erläutert. Intertextualität ist ein entscheidendes Signum der Postmoderne.
Eine Verknüpfung aus Theorie und Praxis versuchte Umberto Eco mit seinem mittelalterlichen Kriminalroman Il nome della Rosa (1980, Der Name der Rose), der die Idee des Buches als Textuniversum und komplexes Verweisungssystem – symbolisiert in der labyrinthischen Struktur einer Klosterbibliothek – durch zahlreiche Zitate von der Bibel und arabischen, antiken bzw. spätscholastischen Quellen über Aristoteles bis zu Ludwig Wittgenstein, Michail Bachtin, Charles Sanders Peirce und Arthur Conan Doyle funktional integriert. Der Leser selbst wird zum Detektiv, dem die Aufdeckung der intertextuellen Ebene obliegt. Das Spiel mit Fremdtext ist konstitutiv für das Prosawerk des enzyklopädistischen Erzählers Jorge Luis Borges (auf den wiederum Eco im Namen der Rose mit der Gestalt des Kopisten und Bibliothekars Jorge von Burgos anspielt). Das Programm kommt am eindrucksvollsten in Borges’ Erzählung Die Bibliothek von Babel (1944) zum Ausdruck, die ein quasi unendliches Universum aus Buchstabenverweisen im Bild einer labyrinthischen und letztlich rational nicht mehr fassbaren Bücherei imaginiert. In den postmodernen Erzählungen und Romanen Thomas Pynchons ist Intertextualität („Rat das Zitat”) selbstironisch ins literarische Erzählspiel miteinbezogen. Auf die Spitze getrieben wird das Modell in Paul Austers detektivischer New-York-Trilogie (1987): Hier zitiert der Autor sich selbst als Person, um im eigenen Werk zu verschwinden.