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Jüngstes Gericht

Jüngstes Gericht, in der christlichen Überlieferung Begriff für die endgültige Vollendung der Geschichte. Weil es keiner innerweltlichen Entwicklung, sondern der Macht Gottes unterliegt, heißt es auch Gericht Gottes. Es taucht insbesondere in den prophetischen Schriften des Alten Testaments der Bibel auf. Demnach urteilt Gott als Richter über seine Widersacher. Auf den Vernichtungstag soll ein neues Zeitalter mit paradiesischen Zuständen folgen. Durch das Jüngste Gericht soll der Tod überwunden werden (Auferstehung der Toten, Daniel 12, 2).

Im Neuen Testament findet sich der Gedanke eines Jüngsten Gerichts in den Predigten Jesu und Johannes des Täufers. Hier gilt allerdings das Gebot der Liebe als Maßstab (Matthäus 25, 31-46). Jesus ist Richter, von der Stellung des Menschen zu ihm hängt das Urteil ab. Die Gläubigen leben durch die Gewissheit von Jesu Leben, Tod und Auferstehung bereits in der neuen Heilszeit. Laut Johannes werden im Endgericht die Lebenden und die Toten von Jesus gerichtet (Johannes 5, 27 ff.). In der Apokalypse des Johannes befindet sich gemäß jüdisch-apokalyptischer Tradition die Vorstellung einer kommenden Welt, dem neuen Jerusalem. Die Feinde Gottes werden bestraft und die Auserwählten erlangen das Heil (Apokalypse 20, 11-15).

Die Idee des Jüngsten Gerichts war stets ein pädagogisches Druckmittel, um die Menschen zu moralischem Handeln anzuhalten. Luther betonte die Bedeutung des Freispruchs durch Jesus im Gericht, und auch Calvin verwies auf den Aspekt der Gnade. Beim Konzil der Gegenreformation in Trient (1545-1563) wurde noch an der alten Lehre festgehalten. Trotzdem wurde nach der Reformation die Bedeutsamkeit des Jüngsten Gerichts immer mehr vernachlässigt. Lediglich einige Sekten benutzen es als Drohmittel oder sehen es in historischen Begebenheiten bereits verwirklicht.

In der Kunst sind Darstellungen des Jüngsten Gerichts ein beliebtes Motiv. Auch die islamische Religion kennt die Vorstellung eines Jüngsten Gerichts.