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Künstlerroman, Sonderform des Bildungs- oder Entwicklungsromans, deren Gegenstand das Schicksal einer erfundenen oder realen (zumeist berühmten) Künstlerpersönlichkeit ist. Als erstes Werk dieses Genres innerhalb der deutschen Literatur gilt der Malerroman Ardinghello und die glückseligen Inseln (1787) von Wilhelm Heinse, in dem bereits das zentrale Thema aller nachfolgenden Künstlerromane – die existentielle Spannung zwischen dem Individualanspruch des Künstlers und den Gesellschaftsnormen bzw. den Erfordernissen des praktischen Lebens – angeschlagen wird. Johann Wolfgang von Goethe suchte im Wilhelm Meister den Ausgleich dieser antagonistischen Kräfte, die Romantik behauptete demgegenüber wieder das Recht des Künstlers auf seine genialische Außenseiterrolle. Beispiele hierfür sind Wilhelm Wackenroders Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders (1797), Ludwig Tiecks Franz Sternbalds Wanderungen (1798), Novalis’ Heinrich von Ofterdingen (1802), E. T. A. Hoffmanns Kreisleriana (1814/15) und Eduard Mörikes Maler Nolten (1832).
Im Realismus führte Gottfried Keller in der ersten Fassung seines Grünen Heinrich (1854/55) das Scheitern des Künstlers vor. Mit Hermann Kurz’ Schillers Heimathjahre (1843) setzt der kulturhistorisch-biographische Künstlerroman ein, der in seiner sentimental verflachten Trivialform kommerziell überaus erfolgreich war. (So wurde etwa Albert Emil Brachvogels Friedemann Bach von 1858 noch im 20. Jahrhundert mehrfach aufgelegt.) Zu den anspruchsvolleren Beispielen zählen Franz Werfels Verdi (1924) oder Lion Feuchtwangers Goya (1951). Thomas Mann verknüpfte in seinem „Lebens- und Geheimwerk” Doktor Faustus 1947 das Nietzsche-Sujet mit der zeitgenössischen politischen Problematik und jener seiner eigenen Künstlerexistenz; damit schuf er den exemplarischen Künstlerroman der Epoche.